Adidas trennt sich von Kanye West: «Inakzeptabel und gefährlich»

Kanye West im Jahr 2016 bei der Verkündigung der Partnerschaft zwischen Adidas und ihm.

Kanye West im Jahr 2016 bei der Verkündigung der Partnerschaft zwischen Adidas und ihm.

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«Inakzeptabel und gefährlich»Adidas trennt sich von Kanye West – Yeezy-Produktion wird eingestellt 

Nach antisemitischen Äusserungen des Rappers hat Adidas die Zusammenarbeit mit Kanye West beendet. Das erklärt das Unternehmen am Dienstag in einer Mitteilung.

von
Johanna Senn

Adidas hat seine Zusammenarbeit mit US-Rapper Kanye West beendet. Das Unternehmen dulde «keinen Antisemitismus und keine andere Art von Hassrede», schreibt der deutsche Sportartikelhersteller am Dienstag in einer Pressemitteilung. Der Entscheidung sei eine eingehende Prüfung der Partnerschaft mit Ye, wie sich Kanye West inzwischen nennt, vorausgegangen.

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Produktion von Yeezy eingestellt

Eine der Folgen von Adidas Entscheidung ist die Einstellung der Produktion von Produkten der Marke Yeezy. Weiterhin stoppt Adidas alle Zahlungen an Kanye West und dessen Unternehmen. Der Konzern erwartet dadurch kurzfristig bis zu 250 Millionen Euro weniger Nettogewinn in diesem Jahr.

Für solche Sneakers, wie hier die Yeezy Boost 350, wurde Kanye West gehyped.

Für solche Sneakers, wie hier die Yeezy Boost 350, wurde Kanye West gehyped.

imago/Runway Manhattan

Wegen unter anderem antisemitischer Aussagen hatten bereits mehrere Unternehmen ihre Verbindungen zum Rapper gekappt. Seine jüngsten Äusserungen und Handlungen seien «inakzeptabel, hasserfüllt und gefährlich. Sie verstossen gegen die Werte des Unternehmens wie Vielfalt und Inklusion, gegenseitigen Respekt und Fairness», erklärt Adidas.

«Für Juden in Deutschland und in aller Welt unerträglich»

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte Adidas öffentlich aufgefordert, seine Beziehungen zu West zu beenden. Zentralratspräsident Josef Schuster sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, «die täglich neuen antisemitischen Entgleisungen des Rappers sind für die Jüdinnen und Juden in Deutschland und in aller Welt unerträglich.» Als deutsches Unternehmen erwarte er schlichtweg von Adidas eine klare Haltung, wenn es um Antisemitismus gehe.

Der Druck auf das Unternehmen, sich von dem Musiker zu trennen, ist zuletzt gewachsen. Er war kürzlich aufgrund antisemitischer Beiträge von Social-Media-Plattformen gesperrt worden.

Nach Wests antisemtischen Aussagen zeigten US-amerikanische Neonazis ihre Unterstützung für den Rapper, indem sie über einer Autobahn ein Transparent mit den Worten «Hupe, wenn du findest, Kanye hat bezüglich der Juden recht», anbrachten. Der Aktivist Matt Bernstein, dem über 1,2 Millionen Menschenn folgen, äussert sich dazu auf Instagram: «Du magst Kanye West vielleicht nicht ernst nehmen, aber jemand anderes da draussen tut es.» Wenn berühmte Menschen Antisemitismus und Verschwörungstheorien verbreiten, solle man dies verurteilen. Sie einfach als Troll abzutun, sei ignorant.

Jüngst legte Kanye nahe, Sklaverei sei eine Entscheidung, Corona-Impfstoff bezeichnete der Rapper als «Zeichen der Bestie». Anfang dieses Monats geriet er in die Kritik, weil er zur Präsentation seiner Yeezy-Kollektion auf der Pariser Modewoche ein «White Lives Matter»-T-Shirt trug.

Die Talent-Agentur CAA beendete die Zusammenarbeit mit dem Rapper. Auch die «Vogue» will West nicht mehr in ihren Publikationen stattfinden lassen. Die Produktionsfirma MRC Entertainment sagte die Veröffentlichung einer bereits fertiggestellten Doku über ihn ab. Auch das Modehaus Balenciaga und die Bank JPMorgan Chase beendeten ihre Zusammenarbeit mit dem 45-Jährigen.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Antisemitismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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(DPA, AFP)

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