Aktualisiert 02.03.2010 13:39

«Es tut weh»

Adieu «Swissdate», es war schön mit dir

Nach 15 Jahren wird die Sendung per Mitte Juli abgesetzt. Es seien fast keine Kandidaten mehr gefunden worden, zudem wurden die Einschaltquoten immer schlechter. Schade. Die Kultsendung wird vielen fehlen, auch wenn dies niemand zugibt. Ein Nachruf.

von
Felix Burch/Susanne Lüthi

Ach, waren sie nicht wunderbar, die verregneten Samstagabende oder die halbe Stunde nach dem Ausgang, wenn die Moderatoren von «Swissdate» uns ihre Singles vorführten und diese erzählen liessen, warum sie eigentlich gar nicht hier sein wollten, aber nun halt einmal da seien, weil sie von ihrem besten Freund oder der Mutter für die Sendung auf TeleZüri angemeldet worden seien. «Swissdate», die Kultsendung, die jeder kennt und von der keiner zugibt, dass er sie sich fast wöchentlich zu Gemüte führt, wird nun definitiv abgesetzt.

«Wie isch es dänn zur Trännig cho?»

Das schmerzt. Auf die Tränendrüsen hat ja schon 2003 der Abgang von Patty Boser gedrückt. Nie war es schöner, sich fremd zu schämen, als wenn die blonde Zürcherin überdreht einen Kandidaten begrüsste, nur um ihm im nächsten Moment mit Grabesstimme die entscheidende Frage zu stellen: «Und, wie isch es dänn zur Trännig cho?» Dann kam Joël Gilgen und mit ihm die eine oder andere Homo-Datingsendung. Voyeuristisch veranlagte Heteros freuten sich, denn endlich würden sie erfahren, wie ein schwuler Moderator moderiert und wie denn eigentlich Schwule und Lesben eine Partnerin oder einen Partner suchen. Die Ernüchterung kam sogleich: Genau gleich wie die Heteros.

Schliesslich verliess Joel Gilgen das sinkende Paarungsschiff 2009 und suchte seine Nachfolger gleich selber. Patty wollte nicht mehr an Bord und auch Peter Wick blieb lieber auf seiner Froschleiter. Der neue Wind kam in Form von Gabriela Ursprung, einer aufgestellten 28–Jährigen, die als Siegerin eines Castings hervorging. Doch auch mit der voll motivierten Brünette am Ruder vermochten sich die Segel nur noch mässig aufzublasen, «Swissdate» wird nach knapp einem Jahr mit ihr am Ruder eingestellt.

Aus und vorbei

TeleZüri teilte am Dienstag offiziell mit, dass die Sendung abgesetzt werde. Noch bis Mitte Juli soll die Singleshow über den Bildschirm flimmern, dann ist endgültig Schluss. «Das tut weh», sagt Christian Köppel, Leiter Magazine bei TeleZüri gegenüber 20 Minuten Online. «Wir alle haben 'Swissdate' geliebt. Es ist ein Brand, jeder kennt die Sendung», so Köppel weiter.

Der offizielle Grund für die Absetzung ist die zunehmende schwierige Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten. Dies ist laut TeleZüri darauf zurückzuführen, dass das Internet im Bereich Partnersuche immer weiter an Bedeutung gewinne. «Deshalb gab es ja aktuell auch nur noch eine Runde und dies ist wohl auch ein Mitgrund für die sinkenden Zuschauerzahlen», sagt Köppel. Und: «Mogeln wollten wir nicht, wir hätten nie Singles für ihre Auftritte bezahlt, wie das andere tun.» Unbefriedigende Einschaltquoten sind dann auch der zweite offizielle Grund für die Einstellung von «Swissdate».

Kult-Moderatoren

Besonders bitter ist das Ende von «Swissdate» für die aktuelle Moderatorin Gabriela Ursprung, die erst seit einem Jahr im Amt ist. Köppel betont aber, dass die Absetzung von «Swissdate» nichts mit der Moderatorin zu tun habe, sie habe ihren Job gut gemacht. Gabriela Ursprung werde bei TeleZüri weiterhin als Moderatorin bei der Live-Sendung von der Street Parade in Zürich eingesetzt.

Was bleibt, sind noch einige wenige Samstage mit einer Unterhaltungssendung, die 15 Jahre alt wurde. «Meiner Meinung nach hat das ausser 'Wetten dass ...?' niemand geschafft», meint Köppel. Was danach kommt, ist noch offen. TeleZüri verrät lediglich, dass man momentan ein Konzept für eine neue Samstagabend-Sendung erarbeite, die Mitte August starte. Ob diese je den Status von «Swissdate» erreicht, das durch Patricia Boser zu Kult und Joel Gilgen enthusiastisch weitergeführt wurde, wird sich ergeben.

So sollten zahlreiche Singles verkuppelt werden.

Doch offensichtlich konnte nicht einmal die sexy Barkeeperin das Publikum überzeugen. Videos: YouTube

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