25.10.2015 22:27

UBS-BetrugsfallAdoboli will studieren – Unternehmungsführung

Der ehemalige Banker hat 2,3 Milliarden Dollar verzockt. Jetzt erklärt er, wie es soweit kam und warum sich die Kultur in der Finanzbranche nicht ändert.

von
lin
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Sieben Jahre Haft:  Der frühere UBS-Händler Kweku Adoboli wurde 2012 in London wegen Betrugs verurteilt. Seit Sommer 2015 ist er wieder auf freiem Fuss.

Sieben Jahre Haft: Der frühere UBS-Händler Kweku Adoboli wurde 2012 in London wegen Betrugs verurteilt. Seit Sommer 2015 ist er wieder auf freiem Fuss.

Keystone/str
Januar 2008: Jérôme Kerviel verursachte den grössten Betrugsfall in Europa. Der ehemalige Aktienhändler der französischen Société Générale soll ohne Genehmigung Handelspositionen über 50 Milliarden Euro aufgebaut haben. Damit verzockte er rund fünf Milliarden Euro. Nach einer kurzen Haftstrafe wurde er am 8. September 2014 entlassen.

Januar 2008: Jérôme Kerviel verursachte den grössten Betrugsfall in Europa. Der ehemalige Aktienhändler der französischen Société Générale soll ohne Genehmigung Handelspositionen über 50 Milliarden Euro aufgebaut haben. Damit verzockte er rund fünf Milliarden Euro. Nach einer kurzen Haftstrafe wurde er am 8. September 2014 entlassen.

Keystone/AP/Thibault Camus
Juni 2009: Bernard Madoff war einst Nasdaq-Chef. Dann begann er, Investoren mit einem Schneeball-System zu betrügen und provozierte den grössten Betrugsfall der Geschichte. Der Skandal flog auf, weil seine Söhne die Behörden informierten. Die Schadenssumme beträgt 65 Milliarden Dollar. Madoff wurde zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt.

Juni 2009: Bernard Madoff war einst Nasdaq-Chef. Dann begann er, Investoren mit einem Schneeball-System zu betrügen und provozierte den grössten Betrugsfall der Geschichte. Der Skandal flog auf, weil seine Söhne die Behörden informierten. Die Schadenssumme beträgt 65 Milliarden Dollar. Madoff wurde zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt.

Keystone/AP/Mary Altaffer

Es war ein gigantischer Verlust, den Kweku Adoboli verantwortete: Der damals 31-jährige UBS-Trader verspekulierte 2011 in London 2,3 Milliarden Dollar. Der damalige Chef der UBS, Oswald Grübel, gab nur wenige Tage nach Bekanntwerden des Skandals seinen Rücktritt bekannt.

Im November 2012 wurde Adoboli zu sieben Jahren Haft verurteilt. Seit Juli 2015 ist der gebürtige Ghanaer, der seit seinem zwölften Lebensjahr in England lebt, wieder auf freiem Fuss und kämpft gegen seine Abschiebung nach Afrika. In einem Interview mit der «Financial Times» hat sich Adoboli ausführlich dazu geäussert, wie es zum Riesenverlust kam und wie er die Geschehnisse erlebt hat.

«Ich war naiv»

Er zeichnet dabei das Bild eines jungen, relativ unerfahrenen Traders, der vor allem aufgrund des Drucks und der Kultur, die in der Finanzbranche vorherrscht, grosse Risiken einging. Adoboli leitete 2011 ein Team von vier Tradern, das Investmentfonds für die UBS handelte. Der Handel mit Investmentfonds ist laut Adoboli zentral gewesen für die Profite der UBS.

«Bis im Juli 2011 haben wir der Bank viel Geld eingebracht», so Adoboli. Doch dann habe man nach «hitzigen Diskussionen» im Juli 2011 die Strategie gewechselt. Statt auf fallende Kurse wie bisher, setzten sie fortan auf steigende Kurse – ohne ihre Positionen abzusichern. Kaum hätten sie diesen Entscheid getroffen, seien die Kurse eingebrochen. «Leider verloren wir die Kontrolle. Uns fehlte das klare Denken über das weitere Vorgehen. Wir standen unter zu viel Druck», sagt Adoboli. Sie seien weiter von steigenden Kursen ausgegangen und investierten auch noch, als die Kurse bereits am Fallen waren. Doch die Kurse stiegen nicht. Innerhalb von nur sechs Wochen hätten sie die riesigen Verluste angehäuft.

Er erzählte seinem Vorgesetzten von den Verlusten. Weil er seinen Job als Trader sowieso aufgeben wollte, habe er die Schuld für die Verluste auf sich genommen. «Ich dachte, dass ich meinen Job verlieren würde.» Dass er wegen seines Verhaltens vor Gericht landen könnte, daran habe er nicht gedacht. «Ich war naiv», so Adoboli. Und schnell wurde auch klar, dass er nicht der einzige war, der vom Vorgehen der Trader wusste.

«Wollte meine Geschichte erzählen»

Noch am selben Tag sei er in die Teppich-Etage zitiert worden, wo ihn das Top-Management und Anwälte befragt hätten. «Wer weiss etwas davon?», sei die wichtigste Frage gewesen. Um Mitternacht hätten ihm die Anwälte Bescheid gegeben, dass er bald nach Hause könne. Wenig später wurde er von Polizisten abgeführt.

Im Prozess hat er sich nicht schuldig bekannt, obwohl ihm dies wohl eine mildere Strafe eingebracht hätte. «Ich erwartete, dass ich verurteilt werde. Aber ich wollte auch die ganze Geschichte erzählen, hätte ich mich schuldig bekannt, wäre dies nicht möglich gewesen.»

Im Interview mit der «Financial Times» kritisiert Adoboli, dass Fälle wie seiner nur als Einzelfälle von Personen mit schlechten Absichten abgetan würden. «Es scheint, dass immer eine einzelne Person für das Verhalten einer ganzen Institution die Verantwortung übernehmen muss», sagt Adoboli. Was verhindere, dass sich die Kultur in der Finanzbranche ändere. Denn so gäbe es den Leuten in der Branche das Gefühl, dass es immer Einzeltäter seien und nicht das System als Ganzes, das solches Verhalten erlaube.

Deshalb möchte Adoboli ein Studium beginnen: Corporate Governance. Zu Deutsch: Grundsätze der Unternehmensführung.

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