Zwei Tote in einem Monat - Adrenalin und Testosteron – Warum Töffunfälle meist selbstverschuldet sind
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Zwei Tote in einem MonatAdrenalin und Testosteron – Warum Töffunfälle meist selbstverschuldet sind

Auf dem Sustenpass verunglücken vor allem Motorradfahrende – oftmals sogar tödlich. Verkehrsexperten und Bauverwalter sind sich einig: Schuld daran sind selten die Strassen.

von
Zoé Stoller
Céline Meisel
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Darum gehts

  • Bei einem Grossteil der Unfälle auf Passstrassen sind Töfflenkende betroffen.

  • Auf dem Sustenpass starben im September gleich zwei Fahrer.

  • Obschon die Strassen kurvenreich seien, liegt laut einem Bauverwalter der Fehler bei den Verkehrsteilnehmenden.

Passstrassen sind beliebte Ausflugsziele für Töfffahrerinnen und -fahrer. Jedoch bergen sie auch Gefahren, sodass viele Lenkende darauf verunfallen. Allein im September verunglückten zwei Töfffahrer auf dem Sustenpass und starben noch an der Unfallstelle. Ausserdem meldete die Kantonspolizei Bern in den letzten fünf Jahren mehr als zehn Töffunfälle auf dem Pass. Darunter verletzten sich vier Fahrer tödlich.

«Dass es in einem Monat gleich zwei tödliche Unfälle gab, ist sehr tragisch», sagt Marcel Guinand, Bauverwalter der Gemeinde Innertkirchen, die am Fusse des Passes liegt, «vor allem, weil diesen Sommer auf dem Sustenpass wenige schwere Unfälle waren». Die Strasse sei zwar kurvenreich, jedoch nicht an den Unfällen schuld, so Guinand. «Die Unfälle sind primär auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zurückzuführen. Das geht vom Velo über das Motorrad bis hin zum Auto», sagt er.

«Es gibt enorm viele, aber eine Häufung kann keine festgestellt werden.» Auf die Frage nach Massnahmen für eine mögliche Unfallprävention verweist Guinand auf die national aufgestellten Verkehrsschilder, die an die Verkehrsteilnehmenden appellierten, sich den Gegebenheiten der Strasse anzupassen.

«Wir nennen dies auch das Testosteronproblem»

Auch der Verkehrsexperte Christoph Jöhr von der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU sagt: «Viele Töffunfälle sind selbst verschuldet, da die Lenkerinnen und Lenker ihr Können nicht richtig einschätzen können. Für den Fahrspass wird oft bewusst an der eigenen Grenze gefahren oder darüber hinaus», sagt er zu 20 Minuten. Tauchten dann überraschende Situationen auf, könnten die Lenkenden nicht mehr angemessen reagieren.

«Gruppendruck spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Besonders Männer gehen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind, oftmals über ihre Fähigkeiten hinaus. Wir nennen dies auch das Testosteronproblem», sagt Jöhr. Die BFU führe regelmässig Präventionskampagnen durch, um die Anzahl an Töffunfällen zu reduzieren. Laut Jöhr könnten beinahe 80 Prozent aller Motorradunfälle durch eine defensive oder vorausschauende Fahrweise verhindert werden. Ausserdem sei es wichtig, bei beliebten Motorradstrecken die Infrastruktur anzupassen. Ein Beispiel dafür sind Leitplanken mit Unterfahrschutz, die die Fahrerin oder den Fahrer auffangen, sodass diese nicht darunter rutschen und sich bei einem Zusammenstoss mit einem Pfosten verletzen könnten.

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