Heimtückisch: Advent, Advent, ein Nüssli klemmt
Aktualisiert

HeimtückischAdvent, Advent, ein Nüssli klemmt

In der Adventszeit verschlucken sich viele Kinder an Nüssen und landen im Spital. Experten fordern Warnhinweise am Chlaussäckli.

von
J. Büchel

Die Vorweihnachtszeit ist auch die Zeit der Erdnüssli. Doch das Luzerner Kantonsspital warnt, dass Nüssli für Kinder unter drei Jahren lebensgefährlich sein können. Weil gerade in dieser Zeit sich die Fälle häuften, bei denen sich Kinder an Nüssen verschlucken, rief das Luzerner Kantonsspital (LUKS) am Samichlaustag zur Sensibilisierung auf.

Allein in diesem Jahr mussten im Universitätskinderspital beider Basel ein Dutzend betroffene Kinder behandelt werden, am Berner Inselspital acht und im Kinderspital Ostschweiz sieben. «Steckt die Erdnuss in den Atemwegen, müssen wir das Kleinkind unter Vollnarkose setzen, dann mit einem dünnen Metallrohr durch den Mund in die Luftröhre eindringen und mit einer feinen Zange den Fremdkörper entfernen», erklärt Dr. Alexander Möller, Lungenspezialist am Kinderspital Zürich. So ein Eingriff sei kein Pappenstiel und dürfe nur von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden.

Auch am Verkaufspunkt warnen

In den USA ersticken jährlich 600 Kinder an den Folgen von Fremdkörperaspiration. Deshalb wird auf Verpackungen explizit davor gewarnt, Kindern unter 6 Jahren Nüsse zu geben. Dies fordern Fachleute nun auch in der Schweiz: Dr. Jürg Hammer, Leitender Arzt am Universitätskinderspital beider Basel (UKBB) geht mit den Luzerner einig und fordert Warnhinweise auf allen Nussverpackungen.

Und auch Sarah Stalder, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz SKS, fordert neben Warnhinweisen auf den Samichlauspäckli sowie an den Verkaufspunkten.

Doch nicht nur Nüsse aller Art sind gefährlich: «Auch Sonnenblumenkerne, Münzen, kleine Plastikperlen oder Legosteine können zu einem lebensbedrohlichen Notfall und zum Ersticken führen. Deshalb sollten sie für Kleinkinder unerreichbar aufbewahrt werden», erklärt Prof. Dr. med. Thomas Linder, Chefarzt der HNO-Abteilung am LUKS.

Was tun, wenn sich ein Kind an einem Nüssli verschluckt?

«Wenn ein Kind ein Erdnüsschen oder einen anderen Gegenstand in den falschen Hals bekommt, sollte man auf keinen Fall von Hand versuchen den Fremdkörper herauszuholen», so Dr. Guido Baumgartner vom Ostschweizer Kinderspital. Bei akuter Atemnot wird empfohlen, das Kind vornüber aushusten zu lassen - wenn nötig soll dabei das Kind von hinten umfasst werden, während man auf seinen Bauch drückt. Wenn das Kind danach weiter hustet, sofort einen Arzt aufsuchen.

Aufhorchen sollte man, wenn das Kind nach Nusskonsum einen Hustenanfall bekommt und auch später noch hustet, vielleicht sogar mit einem leichten Pfeifen. Ist das der Fall, sollte man unbedingt einen Arzt konsultieren. Denn die Fremdkörper in den Atemwegen sind heimtückisch: oft wird das dadurch ausgelöste Husten mit einer Erkältung verwechselt.

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