Aktualisiert 27.03.2020 10:52

Töff-Profi bangt

Aegerter sorgt sich um Bruder in Quarantäne

Dominique Aegerter sitzt in Spanien fest, wo die Corona-Krise von Tag zu Tag dramatischer wird. Seine Gedanken sind aber vor allem in Vietnam.

von
E. Tedesco
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Die Karriere von Dominique AegerterMit zwei Einsätzen in der Saison 2006 lanciert Dominique Aegerter (r.) seine Karriere.

Die Karriere von Dominique AegerterMit zwei Einsätzen in der Saison 2006 lanciert Dominique Aegerter (r.) seine Karriere.

Keystone/Alessandro Della Valle
In der Saison 2007 fährt er mit Multimedia Racing auf Aprilia sieben WM-Punkte heraus.

In der Saison 2007 fährt er mit Multimedia Racing auf Aprilia sieben WM-Punkte heraus.

Keystone/Alessandro Della Valle
2008 macht der Schweizer einen weiteren Schritt nach vorne. Insgesamt vier Top-10-Plätze schauen in seiner dritten Saison heraus.

2008 macht der Schweizer einen weiteren Schritt nach vorne. Insgesamt vier Top-10-Plätze schauen in seiner dritten Saison heraus.

Keystone/Alessandro Della Valle

Dominique Aegerter – in dieser Saison in der MotoE und als Test- und Ersatzpilot im Honda-Superbike-Team im Einsatz – wollte in Spanien trainieren und testen. Wegen der Corona-Krise wurden aber alle Tests abgesagt, Spanien verhängte eine Ausgangssperre, und der 29-Jährige sitzt in einem Ein-Zimmer-Appartement in Sant Cugat del Vallès im Hinterland von Barcelona fest.

Der Oberaargauer sagt: «Ich hätte letzte Woche von hier aus zu den Honda-Tests nach Asien reisen wollen. Die Tests wurden abgesagt, und ich bin hier stecken geblieben. Die Rückreise in die Schweiz wäre zu diesem Zeitpunkt zwar noch möglich gewesen, aber ich dachte, die Situation daheim ist auch nicht besser und es werde schon noch gehen – nun geht es nicht mehr, und ich sitze fest.»

Kurz überlegte Aegerter, mit dem Auto in die Schweiz zurückzufahren. «Ich habe aber gehört, dass es schwierig wäre, überhaupt nur über die Grenze nach Frankreich und auch von Frankreich in die Schweiz zu kommen. Und ich will nicht in Quarantäne kommen.»

Panik vor Spital

Grund zur Klage habe er aber nicht, obwohl sich die Situation von Tag zu Tag dramatisch verschlechtert. Spanien ist nach Italien das am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land in Europa. «Die Strassen sind leer. Die Menschen gehen auf Distanz, und an manchen Orten kann man nur noch mit Karte bezahlen. Es ist beängstigend. Positiv finde ich trotzdem die Disziplin, mit der man die Regeln einhält. Das kenne ich aus Japan und habe sie in Europa vermisst. Es ist schön, solche Disziplin auch hier zu sehen.»

Wann Aegerter in die Schweiz zurückkehren kann, weiss er nicht. «Aber es geht mir hier immer noch besser als meinem Bruder», sagt der 29-Jährige plötzlich am Telefon. «Er steckt in Vietnam fest. In Quarantäne», so der Berner.

Kevin Aegerter war auf einer Asien-Rundreise – bis ihn das Coronavirus in Vietnam stoppte. «Er sitzt allein in einem kargen Hotelzimmer. Das Essen wird ihm vor die Zimmertür gestellt», schildert Dominique Aegerter, «das Schlimmste ist die Panik, dass er in ein Spital in Vietnam muss, wenn was mit ihm sein würde.»

Bis mindestens am 3. April muss Kevin Aegerter in Quarantäne bleiben. Die Probleme sind danach aber nicht gelöst. Die meisten Flughäfen sind geschlossen, und Flüge in die Schweiz gibt es auch kaum. Ein Schicksal und Whatsapp verbindet die beiden Brüder derzeit über 10'000 Kilometer und zwei Kontinente hinweg, die Bruderliebe und die Hoffnung, bald in die Heimat zurückkehren zu können.

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