Bitterböser Ratschlag: Aegerters Probleme mit dem Fokussieren

Aktualisiert

Bitterböser RatschlagAegerters Probleme mit dem Fokussieren

Er kann einfach die «Trainingshemmung» nicht überwinden. Dominique Aegerter muss aus der 7. Reihe (28.) zum GP von Deutschland starten.

von
Klaus Zaugg
Sachsenging
Dominique Aegerter kann im Training nicht das umsetzen, was ihm im Rennen gelingt.

Dominique Aegerter kann im Training nicht das umsetzen, was ihm im Rennen gelingt.

Wäre er ein Warmduscher, so müsste die Debatte nicht geführt werden. Aber Dominique Aegerter (21) ist kein Warmduscher. Sondern einer der schnellsten Motorradfahrer auf dem Planeten. In der Moto2-WM, der zweitwichtigsten Töff-WM, steht er immerhin auf dem 16. Zwischenrang.

Aber im Training ist er ein Hinterherfahrer. Das zeigen die bisherigen Trainingsklassierungen: 15., 15., 5., 10., 12., 31., 13., 30. und nun 28. Sein fahrerisches Potenzial ist viel grösser, als diese Zahlen vermuten liessen und in den Rennen erreichte er 2011 die Klassierungen 13., 28., 4., 8., Sturz, 20., 18. und 11. Keine Frage: Wenn er mit der Spitzengruppe losfahren könnte, würde er um die Plätze auf dem Podest kämpfen – wie in Estoril, als er sein bestes Trainingsresultat (5.) auch in seine bisher beste Klassierung ummünzte (4.).

Aegerter schmerzhaft ehrlich

Weil der Rohrbacher eben kein Warmduscher ist, braucht er keine Ausreden. Er sagt gegenüber 20 Minuten Online schmerzhaft ehrlich: «Ich kann mich einfach im Training nicht auf eine einzige schnelle Runde konzentrieren.» Im Rennen hat er dann kein Problem mehr: Wenn die Gefechte Rad an Rad, Mann gegen Mann, losgehen, dann verschwindet die Welt um ihn herum und es gibt nicht noch dieses eine Ziel: So riskant wie möglich so schnell fahren wie es die Gesetze der Flieh- und Schwerkraft erlauben.

Damit er das auch im Training kann, lässt er sich von Marlies Bernhard betreuen. Die schöne Mentaltrainerin hat im Weltmeisterjahr 2005 mit Tom Lüthi gearbeitet und auch schon den SCL Tigers in den Playouts Zuversicht eingeflösst. Sie ist bei den Rennen in der Regel nicht vor Ort und betreut ihren Schützling mal per Natelanruf oder per SMS. Aegerter hat auch auf dem Sachsenring wieder Motivationsbotschaften über das Hosentelefon erhalten. Genützt hat es zumindest im Training nichts.

Bitterböser Ratschlag

Und so ist am Samstagabend von einem vorwitzigen Fahrerlagergast Aegerter ein bitterböser Ratschlag erteilt worden: «Vielleicht brauchst Du Ritalin.» Ritalin ist eine von Ciba 1954 entwickelte Arznei, die Schulkindern mit Konzentrationsschwächen (Aufmerksamkeitsdefizit) verabreicht wird. Der «Rohrbach-Rossi» hat sich nicht provozieren lassen. Nur trotzig gemurmelt, er werde nun eben im Rennen ordentlich Gas geben.

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