Aktualisiert 07.02.2011 09:42

Wikileaks

Ägypten hat Muslimbrüder dämonisiert

Ägypten rückte die Muslimbruderschaft laut US-Dokumenten jahrelang systematisch in ein schlechtes Licht. Der aktuelle Vizepräsident habe eine wichtige Rolle gespielt.

Laut Wikileaks-Depechen warf der jüngst ernannte Vize-Präsident Omar Suleiman der muslimisch-konservativen Bewegung in Gesprächen mit US-Diplomaten unter anderem vor, islamistische Extremisten zu unterstützen. Zudem habe der damalige Geheimdienstchef mit einer drastischen Verschlechterung der Beziehungen zum Iran gedroht, wenn die Regierung in Teheran die Muslimbrüder jemals gefördert haben sollte.

Den Depeschen zufolge haben US-Vertreter skeptisch auf Suleimans Versuch reagiert, die Gruppe zu dämonisieren. Das US-Aussenministerium nahm keine Stellung zu den Angaben. Die Informationen kommen von US-Botschaftsdepeschen, die das Internetportal WikiLeaks im November veröffentlichte. Die Nachrichtenagentur Reuters wertete sie aus.

Die in den Depeschen berichtete Haltung Suleimans dürfte für die Mehrheit der Ägypter nicht neu sein. Sie sind vom Mubarak-Regime eine anti-islamistische Haltung gewöhnt.

Die Äusserungen könnten jedoch das Misstrauen der Opposition verstärken, die sich am Wochenende erstmals zu Gesprächen mit Suleiman über eine Lösung der innenpolitischen Krise zusammengesetzt hat.

Mubaraks Regierung hat sich lange auf eine Bedrohung durch Islamisten berufen, um ihre autoritäre Herrschaft zu rechtfertigen. Suleiman ist seit Jahrzehnten einer der engsten Vertrauten von Mubarak. (sda)

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