Verbotene Satire: Ägyptens TV-Star wird zum Staatsfeind
Aktualisiert

Verbotene SatireÄgyptens TV-Star wird zum Staatsfeind

Er nimmt den Islam, Präsident Mursi und andere ägyptische Politiker aufs Korn. Bassem Jussef ist beliebt - und für die Regierung gefährlich. Jetzt wurde er verhaftet und auf Kaution wieder freigelassen.

von
kub

In Ägypten ist ein regierungskritischer Fernsehkabarettist nach einem mehrstündigen Verhör gegen Kaution freigekommen. Bassem Jussef wird vorgeworfen, in seiner wöchentlichen Sendung mit dem Titel «Al-Bernameg» (Die Show) sowohl den Islam, als auch Präsident Mohammed Mursi beleidigt zu haben.

Jussef war am Sonntag fünf Stunden lang von der Staatsanwaltschaft befragt worden, nachdem zuvor Haftbefehl gegen ihn erlassen worden war. Als sich der beliebte Komiker wie angekündigt der Justiz stellte, hatten sich vor seinem Büro Dutzende Anhänger versammelt. Jussef müsse eine Kaution in Höhe von umgerechnet rund 2100 Franken zahlen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Jussef bahnte sich am Sonntag den Weg in das Gebäude der Staatsanwalt in Kairo durch eine Menge von Anhängern und Journalisten. Auf dem Kopf trug er einen riesigen Hut, der offenbar der Kopfbedeckung nachempfunden war, die Ägyptens Staatschef Mohammed Mursi Mitte März bei einem Staatsbesuch in Pakistan getragen hatte.

Der Entertainer, der eigentlich Herzchirurg ist, ist dafür bekannt, sich über Mursi und die neue islamistische Klasse in der ägyptischen Politik lustig zu machen. Er imitiert Reden und Gesten des Präsidenten und hat dessen Aussagen bereits einem Fakten-Check unterzogen. In einer Folge zeigte Jussef ein Rede Mursis aus dem Jahr 2010, in der dieser Zionisten als «Schweine» bezeichnet hatte. Die Äusserung hatten zu einem diplomatischen Krach mit den USA geführt.

Aus dem Büro getwittert

«Wir beleidigen nicht den Islam», hatte Jussef am späten Samstag im Fernsehen gesagt. Wenn gegen irgendjemanden wegen Religionsbeleidigung ermittelt werden sollte, dann gegen diejenigen, die den Islam als Waffe und politisches Instrument ausnutzten, sagte er.

Oppositionelle sehen die Ermittlungen gegen Jussef als Eskalation einer Kampagne gegen Kritiker der Regierung. Gegen fünf andere prominente Gegner waren Haftbefehle wegen Anstiftung zur Gewalt ergangen.

Jussef schickte über den Kurznachrichtendienst Twitter eine Reihe von Sprüchen aus dem Büro des Staatsanwaltes. «Die Beamten und Richter wollen ein Foto mit mir machen lassen, ist das vielleicht der Grund, warum ich einbestellt wurde?», schrieb der Komiker während der Befragung bei Twitter. Dort bestätigte er später auch die Freilassung auf Kaution. Ihm würden drei Vorwürfe gemacht, schrieb er ohne weitere Details. Wegen eines vierten Vorwurfs sei eine weitere Befragung zu erwarten. Ein anderer Tweet lautete: «Sie haben mich nach der Farbe meiner Augen gefragt. Tatsächlich.» Später habe er nach Angaben eines TV-Senders, der Mursi nahesteht, erklärt, nicht alle Tweets seien korrekt.

Eine Folge von «Al-Bernameg» (YouTube)

Mehrere Oppositionsvertreter kritisierten dies in sozialen Netzwerken als Einschüchterungsversuch. So schrieb der der Friedensnobelpreisträger Mohamed El Baradei, die Versuche, «das Dissidententum zu unterdrücken und die Medien einzuschüchtern, sind entlarvende Zeichen eines schwankenden Regimes, das sich in die Enge getrieben fühlt». (kub/sda)

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