Aktualisiert 25.09.2014 09:37

Zu nass, zu kalt

Älpler fordern Geld wegen schlechtem Wetter

Der nasse Sommer macht den Älplern Sorgen. Sie befürchten höhere Kosten und sinkende Erträge. Nun wollen sie vom Bund eine Art Schlechtwetterentschädigung.

von
sas
Der Sommer war viel zu nass und kalt. Das spüren auch die Älpler. Im Bild: Alpe Prato oberhalb Ambri im Kanton Tessin.

Der Sommer war viel zu nass und kalt. Das spüren auch die Älpler. Im Bild: Alpe Prato oberhalb Ambri im Kanton Tessin.

Die Sennen habens lustig, besagt der Volksmund. In diesem Sommer ist aber alles etwas anders: zu nass, zu kalt, zu wenig Sonnenstunden. Älpler sprechen vom schlechtesten Bergsommer seit Jahren. Während die feuchten Monate bei den Obstbauern für rekordhohe Kirschen- und Zwetschgenernten sorgten, haben die Älpler wenig zu lachen. Die vielen Regentage haben den Weiden zugesetzt. Die Kühe haben das Gras zerstampft - braune Böden statt saftige Alpwiesen.

Nun hat sich der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV) in einem Brief an das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gewendet. Die Älpler bitten darin um ein Entgegenkommen bei der Auszahlung von sogenannten Sömmerungsbeiträgen, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Die «Schlechtwetterentschädigung» begründet SAV-Präsident und SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal mit der stark strapazierten Vegetation im Juli und August. Das Gras habe sich in den Bergregionen bis Mitte August gar nie regenerieren können, weshalb von Siebenthal sogar nächsten Sommer noch spürbare Schäden erwartet.

Kein Präzedenzfall schaffen

In Bern hat man für die Sorgen der Älpler aber wenig Gehör. Das Bundesamt will die nassen Monate Juli und August nicht als «allgemein höhere Gewalt» gelten lassen und verweist auf die schönen Weidetage im September. Das würde den nassen Sommer teilweise kompensieren. Zudem schreiben die Beamten weiter, die Älpler könnten ihre Bewirtschaftung den nassen Bedingungen anpassen. Für SAV-Chef von Siebenthal ist das ein Affront. Die Älpler würden das schon jetzt nach bestem Wissen und Gewissen tun, sagt er der «Aargauer Zeitung».

Offensichtlich ist: Die Beamten in Bern bleiben auch hart, weil sie keinen Präzedenzfall schaffen wollen. In ihrer Antwort an den SAV steht denn auch, dass eine generelle Kulanz bei den Sömmerungsbeiträgen für die Alpsaison 2014 eine falsche Signalwirkung hätte. Die vollen Sömmerungsbeiträge erhalten die Älpler, wenn sie die für ihre Alp vorgesehene Anzahl Kühe die behördlich festgelegte Anzahl Tage auf ihrer Alp übersommern lassen. Ziehen sie ihre Kühe wegen des schlechten Wetters aber vorzeitig ab, sinken die Beiträge. Der Spielraum für die Auszahlung der Beiträge liegt zwischen 75 und 110 Prozent.

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