21.01.2016 18:49

Campbell, Crawford, Schiffer

Ältere Models erobern sich den Laufsteg zurück

Balmain ersetzt seine jungen Models durch gestandene Frauen wie Cindy Crawford und Naomi Campbell. Auch ein 63-jähriges Schweizer Model erlebt den Aufschwung hautnah mit.

von
Lorena Sauter

In den Neunzigerjahren waren Cindy Crawford, Claudia Schiffer und Naomi Campbell die Supermodels schlechthin. Mit zunehmendem Alter mussten die Ikonen aber jüngeren Nachfolgerinnen Platz machen, klar. An den Models der Generation Z (nach 1990 Geborene), wie etwa Cara Delevingne, Kendall Jenner oder Gigi Hadid, kam in jüngster Vergangenheit keiner mehr vorbei im Modebusiness. Bis jetzt.

Balmain nämlich hievt die alten Hasen des Geschäfts zurück ins Rampenlicht. Crawford, Schiffer und Campbell sind die neuen, alten Kampagnengesichter. «Sie sind Ikonen, sie sind stark und sie bringen die Leute dazu, Mode zu lieben», wird Balmain-Designer Oliver Rousteing von der «Vogue» zitiert. Er fügt fast schon feierlich an: «Ein neues Kapitel beginnt für Balmain.»

Catwalk-Erfolg für 63-jährige Schweizerin

Nicht nur das französische Label läutet eine neue Ära ein. Auch Zineta Blank, von der Schweizer Agentur Visage, beobachtet die Nachfrage nach reifen Gesichtern: «Ältere Models sind definitiv wieder gefragt in der Fashion-Industrie», sagt sie zu 20 Minuten. Blank spricht aus Erfahrung. Die 63-jährige Catherine Loewe, die von Blank entdeckt wurde und bei Visage unter Vertrag ist, durfte am 20. Januar für das deutsche Label Minx über den Laufsteg der Berliner Fashion Week laufen. «Eine grosse Ehre» sei das Engagement für sie, sagt Loewe.

Ihren Erfolg erklärt sich Anwältin Loewe mit dem Verlangen nach Neuem: «Die letzten zwei Dekaden waren von Models geprägt, die alle mehr oder weniger gleich ausgesehen haben. Nun sind Charakterköpfe gefragt.»

Designer zielen auf kaufkräftige Konsumenten

Blank sieht noch einen weiteren Grund hinter dem Trend hin zur älteren Model-Generation: «Potenzielle Kundinnen können sich viel besser mit Älteren identifizieren. Besonders in der Werbung wirken sie viel glaubhafter», erklärt sie. Schliesslich seien Menschen zwischen 50 und 70 Jahren die kaufkräftigste Zielgruppe.

Dass Frauen lieber ihresgleichen auf Plakaten sehen als junge (und allzu perfekte) Küken wie Delevingne oder Jenner, scheint durchaus plausibel. Ob sich Designer tatsächlich aus Überzeugung auf ältere Generationen konzentrieren oder aus blossem wirtschaftlichen Interesse, sei mal dahingestellt.

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