17.03.2020 09:53

Nachbarschaftshilfe

«Ältere trauen sich fast nicht, um Hilfe zu fragen»

Viele Privatpersonen bieten Menschen, die zur Risikogruppe gehören, ihre Hilfe im Alltag an. Die Nachfrage hält sich aber in Grenzen.

von
tam/mon
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Zurzeit sieht man viele Hilfsangebote an Schaufenstern oder Hauseingängen. Dabei bieten Privatpersonen anderen Menschen, die zur Risikogruppe gehören, ihre Hilfe an.

Zurzeit sieht man viele Hilfsangebote an Schaufenstern oder Hauseingängen. Dabei bieten Privatpersonen anderen Menschen, die zur Risikogruppe gehören, ihre Hilfe an.

So versuchen Helfer, an Personen zu kommen, die kein Internet haben und isoliert leben.

So versuchen Helfer, an Personen zu kommen, die kein Internet haben und isoliert leben.

Dieser Flyer hängt etwa im Kreis 4 in der Stadt Zürich.

Dieser Flyer hängt etwa im Kreis 4 in der Stadt Zürich.

Wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus in der Schweiz hat der Bundesrat am Montag den Notstand ausgerufen. An der Pressekonferenz appellierte Gesundheitsminister Alain Berset an die Bevölkerung, die Solidarität zwischen den Generationen zu leben und Eigenverantwortung zu zeigen. Das zeigt sich bereits auf Social Media. Es gibt inzwischen auch die Website Hilf jetzt, auf der sich Hilfsgruppen registrieren können.

Es gibt unzählige Nutzer, die dort ihre Hilfe anbieten. Auch viele Gruppenchats und Foren wurden lanciert. Dazu gehört etwa die Facebook-Gruppe «Solidarisch helfen Zürich». Für jeden Zürcher Stadtkreis gibt es dort eine separate Gruppe. Dazu heisst es: «Das Organisieren in Kreis-Gruppen soll dazu dienen, uns noch effektiver gegenseitig helfen und vernetzen zu können.» Es kann Hilfe angeboten und auch angefragt werden.

«Die Solidarität ist riesig»

In den Kreisen 4 und 5 haben sich bereits mehr als 400 Helferinnen und Helfer registriert. «Die Solidarität ist riesig», sagt Koordinatorin Michelle Rickenbach auf Anfrage. Es sei aber schwierig, die Hilfesuchenden zu finden. Das Problem dabei: «Sie wohnen isoliert und haben oft kein Internet.»

Deshalb arbeitet die Helfer-Gruppe zusätzlich mit Flyern, so Rickenbach. Viele Anfragen seien bisher aber nicht eingegangen. «Eine kam von einem jungen Mann, der für seine ältere Nachbarin eine Person suchte, die den Einkauf erledigen könnte. Diese konnten wir organisieren.» Rickenbach zeigt sich aber zuversichtlich. Sie ist überzeugt, dass es schon bald zahlreiche Anfragen geben wird. «Inzwischen nutzen wir die Zeit, um uns zu organisieren.»

Aufruf auf Facebook

Auch ausserhalb der Stadt Zürich zeigen sich viele Menschen solidarisch und bieten Nachbarschaftshilfe an. Zu ihnen gehört auch Adrian Ochsner (52) aus Winterthur-Hegi. Zwei bis drei Stunden pro Tag nimmt er sich Zeit und tätigt ab dieser Woche Einkäufe für ältere Menschen oder Personen, die zur Risikogruppe gehören.

Auf die Idee gekommen ist er, weil seine Mutter selbst als gefährdet gilt: «Ich ging für sie einkaufen und dachte mir, das könnte ich doch auch gleich für andere erledigen.» Auf Facebook machte er einen Aufruf. Und auch im Wohnblock, in dem seine Mutter wohnt, hängte er einen Zettel auf. Der 52-Jährige ist überzeugt: «Jeder von uns hat ein paar Stunden pro Tag Zeit, die er aufwenden kann, um anderen zu helfen.»

«Sie wollen nicht zur Last fallen»

Doch auch Ochsner sagt: «Die Nachfrage ist noch nicht so gross. Zum Start der Aktion am Montag hatte ich nur zwei Aufträge.» Er glaubt zu wissen, woran es liegt: «Ältere Personen trauen sich fast nicht, um Hilfe zu fragen. Sie wollen nicht zur Last fallen.» Zudem meint er: «Solange sie selber laufen können, wollen sie alles allein erledigen.»

Aufdrängen will sich der Winterthurer zwar nicht, er ist aber überzeugt, dass es in der momentanen Situation wichtig sei, die ältere Bevölkerung zu schützen: «Ich habe mich deshalb noch bei der Spitex und der Gemeinde Wiesendangen gemeldet. Letztere sucht Freiwillige, die ihre Hilfe anbieten.» (tam/mon/sda)

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