Aktualisiert 06.06.2005 09:36

Älteste Mauer Zürichs

Die Sanierung der Lindenhof-Stützmauer in Zürich ist abgeschlossen.

Die ältesten Teile des Bauwerks stammen aus der römischen Zeit. Es sei «die älteste noch in Gebrauch stehende Mauer Zürichs», heisst es in einer Mitteilung der Stadt vom Montag.

Die über sieben Meter hohe Stützmauer, die bisher hinter dichtem Bewuchs versteckt war, ist nun vom Limmatquai aus wieder in voller Pracht zu sehen. Nachts wird sie demnächst auch sanft beleuchtet.

Die Terrasse des Lindenhofs ist heute ein beliebter Naherholungsraum mitten in der Innenstadt. Kaum etwas verrät, dass dieser Ort seit keltischer Zeit ein wichtiges Zentrum war. Erst mit dem Abbruch der mittelalterlichen Pfalz im frühen 13. Jahrhundert entstand der Platz.

«Wichtiger Körper im Limmatraum»

Für die Zürcher Stadtgeschichte habe die Stützmauer eine hohe Bedeutung, heisst es im gemeinsamen Communiqué von Hoch- und Tiefbaudepartement. Der Lindenhof, der wie eine antike Zitadelle über dem Fluss thront, trete nun wieder «als wichtiger Körper im Limmatraum» in Erscheinung.

Seit letztem Herbst war die Stützmauer von einem Baugerüst verdeckt. Dichter Efeubewuchs und Frosteinwirkung hatten dem Mauerwerk starkt zugesetzt; der Mörtel löste sich teilweise bis tief unter die Oberfläche ab.

Die Schäden wurden nun gesichert und die Fugen so mit Sumpfkalk vermörtelt, dass das historische Erscheinungsbild möglichst wieder in Erscheinung trat.

Um die Mauer zu stabilisieren, wurden Zugpfähle aus Eisen eingebaut. Sie seien so verankert worden, dass sie die archäologischen Schichten nicht berührten, heisst es in der Mitteilung.

Substanz aus spätrömischer Zeit

Die bauarchäologischen Untersuchungen im Rahmen der Sanierungsarbeiten ergaben, dass die älteste Substanz der Mauer in die spätrömische Zeit reicht. Es handelt sich um einen Teil der Kastellmauer, die auf der Limmatseite auf einer Höhe von bis zu 2,5 Metern erhalten ist.

Der mit Türmen besetzte Befestigungsbau war im 4. Jahrhundert nach Christus auf den Hügel gesetzt worden. Wesentliche Teile der heutigen Befestigung wurden jedoch erst im Spätmittelalter aufgemauert.

Aus der Zeit nach 1666 stammen das Brunnenhäuschen, in dem heute ein Taubenschlag untergebracht ist und das Mauerwerk aus Sandsteinquadern darunter. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Mauer unterfangen, nachdem das Terrain am Mauerfuss abgetragen worden war.

Römischer Mörtel am härtesten

Der römische Mörtel hat sich als der klar härteste und beständigste erwiesen. Er war auch restistent gegen die Efeuwurzeln. Die Qualität des römischen Mauerwerks habe wesentlich dazu beigetragen, dass die Mauer trotz hoher Belastung die Jahrhunderte überdauerte, heisst es in der Mitteilung.

(sda)

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