Aktualisiert 04.06.2015 08:40

Hundetrainer gibt Rat

«Ängstliche Leute riechen für Hunde interessant»

Wie bekämpft man seine Angst vor Hunden? Und was soll man tun, wenn der Vierbeiner den Partner angreift? Trainer Sascha Fercher gibt den Lesern Rat.

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Trainer Sascha Fercher vom Verein Hundetrainer on Tour beantwortet Fragen der Leserinnen und Leser zur Hundeerziehung und stellt einige Trainingssituationen vor: Ob man ein Gruppen-Training besuchen kann oder auf Einzelstunden angewiesen ist, hängt von dem Problem des Hundes ab.

Trainer Sascha Fercher vom Verein Hundetrainer on Tour beantwortet Fragen der Leserinnen und Leser zur Hundeerziehung und stellt einige Trainingssituationen vor: Ob man ein Gruppen-Training besuchen kann oder auf Einzelstunden angewiesen ist, hängt von dem Problem des Hundes ab.

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Im Gruppentraining treffen die Hunde viele Artgenossen und lernen, starken Ablenkungen zu widerstehen.

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Schon beim Aussuchen des richtigen Welpen kann professionelle Unterstützung viele Probleme verhindern.

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Eine halbe Million Hunde leben in der Schweiz – und irgendeine Macke oder dumme Angewohnheit hat wohl jeder von ihnen. Deshalb stellten die Leserinnen und Leser Fragen rund um das Thema Hund. Sascha Fercher vom Verein Hundetrainer on Tour erklärt, wie man den Problemen am besten entgegenwirkt:

Leser Hans: Ich habe Angst vor Hunden. Ganz egal, wie gross oder klein die sind. Manchmal muss ich sogar die Strassenseite wechseln, wenn jemand mit Hund auf mich zukommt. Haben Sie Tipps, wie ich die Angst bekämpfen kann?

Sascha Fercher: Hunde können menschliche Emotionen nicht zuordnen, aber durch die Angst sondern wir Menschen Stoffe ab, die der Hund wahrnehmen kann. So reagieren Hunde sehr interessiert auf ängstliche Leute und wollen sie beschnuppern. Gleichzeitig versteifen sich ängstliche Leute oft und fixieren den Hund mit den Augen. All dies geschieht unbewusst. In der Körpersprache des Hundes ist eine steife Haltung aber eine dominante Haltung. Auch das Fixieren ist eine Drohung. Je nach Rangordnung von Hund und Mensch wird der Vierbeiner deshalb seine Signale aussenden. Diese können aggressiv sein oder auch nur ein Bellen.

Wenn Sie keinen Kontakt zu einem Hund aufnehmen möchten, schauen Sie ihn nicht an. Wenden Sie sich ab und ignorieren Sie ihn. Der Hund wird dann auch Sie ignorieren. Bewegen Sie sich ruhig und kreischen Sie auf keinen Fall. Üben Sie dies anfangs am besten bei Hunden, an denen Sie schon öfter vorbeigegangen sind und bei denen Sie wissen, dass der Hundehalter die Kontrolle hat. Viele Hundetrainer geben auch Kurse für Leute, die Angst haben. So können Sie unter Leitung des Trainers und mit erfahrenen Hunden Alltagssituationen üben.

Leserin Joy: Cappuccino (10) schleckt und knabbert seine Pfoten immer wieder wund. Ein Tierarztbesuch und Medikamente haben nichts gebracht. Mittlerweile ist die einzige Möglichkeit, ihm Socken anzuziehen. Das mag er aber gar nicht. Woran kann das liegen und wie gewöhne ich ihm das ab?

Sascha Fercher: Wenn eine Futtermittel-Allergie ausgeschlossen werden kann, dann sollten Sie sich Gedanken machen, wann das Pfotenschlecken das erste Mal aufgetreten ist und ob Sie in dieser Zeit grössere Änderungen im Leben hatten, beispielsweise einen Umzug, Partnerwechsel oder andere stressauslösende Änderungen.

Das Schlecken und Knabbern an den Pfoten kann eine sogenannte Übersprungshandlung sein, welche zum Abbau von Stress dient. Ich würde Ihnen hier wärmstens einen Termin bei einem professionellen Hundetrainer, welcher zu Ihnen nach Hause kommt, empfehlen. Ein guter Trainer kommt das erste Mal zur Begutachtung kostenfrei bei Ihnen vorbei und kann Ihnen sehr schnell sagen, woran es liegt.

Leserin Lilly: Ildy (2) ist eifersüchtig. Häufig greift sie meinen Freund an, wenn dieser den Raum betritt. Wir hatten bereits eine Hundetrainerin bei uns: Auf ihren Rat hin schicke ich meine Hündin bei jedem Angriffsversuch direkt in den Korb. Das mache ich nun seit etwa vier Monaten. Die Situation hat sich aber nicht gebessert.

Sascha Fercher: Erst einmal gilt es, den Sachverhalt richtig zu klären. Allem Anschein nach ist Ihr Hund nicht eifersüchtig, sondern hat die höchste Position des Rudels eingenommen, also die Chefetage. Der Rat der Hundetrainerin ist nicht falsch, aber auch nicht ganz fertiggedacht. Sie sollten versuchen, das Problem an der Wurzel zu packen, denn durch jeden neuen «Angriff» wird Ihre Kleine erneut bestätigt.

Versuchen Sie also Ihren Liebling zu platzieren, bevor Ihr Freund den Raum betritt. Sollte sie dennoch auslösen, gilt es eine Korrektur durchzuführen, wie zum Beispiel eine Petflasche mit Steinen drin, welche Ihr Freund dann als negativen Reiz einsetzt.

Natürlich müsste man die ganze Lage betrachten. Denn ein solches Fehlverhalten kommt nicht unbegründet auf. Meist spielt eine Reihe von Gründen eine Rolle, wie beispielsweise der Schlafplatz, die Fütterung und viele kleine Dinge, die wir im Alltag routiniert und sicher, aber dennoch falsch machen.

Sascha Fercher hat weitere Fragen der Leserinnen und Leser zum Thema Hundeerziehung beantwortet. Den Artikel finden Sie hier>>

Verein «Hundetrainer on Tour»

Der Verein Hundetrainer on Tour (HOT) welcher über Trainer/Innen in der ganzen Schweiz verfügt, ist ein nicht gewinnorientierter Verein. Der VHOT hat zur Zeit sieben geschulte Trainer und zwei in Ausbildung. Der Vorstand, die Trainer, sowie alle anderen Mitglieder leisten Ihre Arbeit ohne Entgelt. Finanziert wird der VHOT durch Aktiv- und Passiv-Mitgliederbeiträge und Spenden.

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