Ära Stoiber vor dem Ende?
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Ära Stoiber vor dem Ende?

Ministerpräsident Edmund Stoiber hat in Bayern massiv an Rückhalt verloren. 60 Prozent der Wahlberechtigten sind einer Umfrage zufolge dagegen, dass er bei der Landtagswahl 2008 noch einmal als CSU-Spitzenkandidat antritt.

Sogar 45 Prozent der CSU-Wähler lehnen dies ab, wie das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Magazins «Stern» ermittelte. Als Partei bekäme die CSU mit 54 Prozent allerdings immer noch die absolute Mehrheit.

Die CSU wertete dies als klares Signal: «Bayern ist mit Edmund Stoiber das erfolgreichste Land, und deshalb steht die CSU mit Stoiber bei 54 Prozent», sagte ein Parteisprecher am Mittwoch in München. Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli sprach dagegen von einem klaren Misstrauensvotum.

«Es ist keine gute Ausgangsbasis für eine Spitzenkandidatur, wenn fast die Hälfte der CSU-Anhänger nicht hinter einem Bewerber steht», sagte die Stoiber-Kritikerin «stern.de». «So etwas hatten wir in Bayern noch nie. Das müsste auch Stoiber zu denken geben.» Die Umfrage zeige, dass ihre Kritik an dem Regierungschef keine Einzelmeinung sei. Sie entspreche vielmehr der Wählermehrheit in Bayern und einem grossen Teil der CSU-Anhänger.

Die Opposition warf der CSU Handlungsunfähigkeit vor. «Die Menschen in Bayern haben von Stoiber endgültig die Nase voll», sagte Grünen- Fraktionschefin Margarete Bause. Wenn Stoiber dennoch vorzeitig als Kandidat ausgerufen werde, werde für 2008 «ein gerupfter Gockel auf den Schild gehoben». SPD-Kollege Franz Maget nannte es einen Ausdruck von Schwäche, dass Stoiber sich keiner Mitgliederbefragung stellen wolle.

Jeder zweite Wähler für Mitgliederbefragung

CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann hatte am Dienstag überraschend angekündigt, dass Stoiber schon Mitte Januar auf der Winterklausur der Landtagsfraktion zum Spitzenkandidaten gekürt werden soll. Die Landtagsfraktion bestimmt traditionsgemäss den Spitzenkandidaten, ihre Klausur findet vom 15. bis zum 18. Januar in Kreuth statt.

CSU-Generalsekretär Markus Söder verteidigte dieses Vorgehen. «Ich glaube, klar ist, Edmund Stoiber ist und bleibt die Nummer eins der CSU», sagte Söder dem Sender N24. Aber die Entscheidung der Landtagsfraktion werde ein wichtiges Signal sein. Jetzt sei ein guter Zeitpunkt dafür.

Fast zwei Drittel der bayerischen Wähler ist der Forsa-Umfrage zufolge aber für einen neuen Regierungschef. Nur 32 Prozent wollen demnach, dass Stoiber an der Spitze bleibt. Auch unter den CSU-Anhängern hat dieser an Rückhalt verloren: Nur eine knappe Mehrheit von 52 Prozent sprach sich für eine neuerliche Kandidatur des 65-Jährigen aus, 45 Prozent dagegen.

Die Umfrage unter 1009 Wahlberechtigten wurde zwischen dem 27. und dem 29. Dezember und damit auf dem Höhepunkt der «Bespitzelungsaffäre» um die Landrätin Pauli erstellt. Deren Vorschlag, die Partei per Mitgliederentscheid über den Spitzenkandidaten entscheiden zu lassen, stösst laut Umfrage in Bayern auf grosse Zustimmung. 53 Prozent der Wähler fänden das laut Forsa gut, 32 Prozent lehnen das ab. Unter den CSU-Anhängern sind 51 Prozent dafür und 39 Prozent dagegen. (dapd)

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