Digge Luft: Ärger beim Meister nach Europacup-Out
Aktualisiert

Digge LuftÄrger beim Meister nach Europacup-Out

Beim FC Basel herrscht Diskussionsbedarf. Die Schlappe in Valencia hat einige Probleme bei Rotblau an die Oberfläche gespült.

von
Eva Tedesco
Valencia

Der FC Basel scheidet im Viertelfinal aus der Europa League aus und spült einige Probleme an die Oberfläche. Trainer Murat Yakin redet Klartext. (Video: 20 Minuten)

Die Nacht nach der 0:5-Ohrfeige im Viertelfinal-Rückspiel in Valencia, die gleichzeitig das Ende der aktuellen Europacup-Kampagne bedeutet, war kurz. Die meisten Spieler haben noch lange an der Schlappe zu knabbern gehabt und Gedanken gewälzt. Über die Bücher musste auch FCB-Trainer Murat Yakin, der mit einigen Akteuren gar nicht zufrieden war und das auch so offen preisgab.

Yakin spricht von drei bis vier «Totalausfällen» in den 120 Minuten in Valencia und erweitert damit die Kritik, die er kurz nach dem Spielschluss am Donnerstag an Gaston Sauro, vor allem aber an Marcelo Diaz übte, der mit seinem haarsträubenden Fehlpass vor dem 0:1 das Tor zum Untergang auftat und dann auch noch die eigene Mannschaft mit einer Eselei sondergleichen, die zum Platzverweis führte, tief in diesen stiess. Auf die FCB-Latinos wartet ein spezieller Gesprächstermin, den Yakin allerdings auf nach der Rückkehr in Basel vertagte.

Diaz einsichtig – wirklich?

Dicke Luft beim Meister. Beginnt sich Rotblau nach dem bitteren Out im Europacup zu zerfleischen oder gibt es ein reinigendes Gewitter vor dem Schlussspurt in der Meisterschaft? «Wenn man ohne Leidenschaft Fussball spielt, hilft auch ein Drei-Tore-Vorsprung nichts. Man hat von der ersten Sekunde an gesehen, dass Valencia will und wir konnten nicht dagegenhalten. Sie sind in allen Belangen besser gewesen, aggressiver, schneller, cleverer und haben uns provoziert und es auch geschafft. Aber so hilft man dem Team nicht. Als Nationalspieler muss man erfahren genug sein», hält Yakin seinen Ärger nicht zurück.

Diaz hat schlecht geschlafen. «Eigentlich kaum», sagt er am Flughafen in Valencia am Morgen nach dem Debakel. Der chilenische Internationale hat sich zwar noch in der Kabine bei der Mannschaft entschuldigt, kann seinen «Aussetzter» aber nicht recht erklären. «So etwas ist mir noch nie passiert in meiner Karriere. Es ist so vieles zusammengekommen.»

Yakin findet Reaktion richtig und wichtig

Offenbar mehr als genug. Diaz, der sich von Yakin unverstanden fühlt, Yakin der die Spieler nicht verstehen will – die Niederlage hat offenbar mehr ausgelöst und Probleme beim FCB an die Oberfläche gespült.

«Es war schon richtig und wichtig, dass die Spieler einmal sauer waren und eine Reaktion gekommen ist», so Yakin. «Gut, dass wieder einmal alles rausgekommen und nicht unter den Teppich gewischt worden ist. Vielleicht war es der richtige Zeitpunkt, um mit der Europa League abzuschliessen und uns voll und ganz auf die nächsten Aufgaben konzentrieren zu können, denn dafür braucht es jeden Einzelnen. Die Spieler haben schon in der Kabine einige Dinge angesprochen, dennoch ist es respektvoll zu und her gegangen.»

Respekt und Chance

«Es ist nicht alles schlecht gewesen, wenn man in einem Viertelfinal der Europa League steht, aber wir müssen sicher einige Dinge ansprechen. Das 3:0 aus der letzten Woche hat zwar gut ausgesehen, aber wenn man die zweite Halbzeit anschaut, hat die doch gezeigt, dass wir noch nicht stabil sind. Man darf dem Gegner nie den Rücken zukehren. Wir können uns nicht immer nur auf Streller und auf Stocker verlassen, irgendwann ist es an der Zeit, dass auch andere Verantwortung übernehmen», so Yakin.

Die Niederlage und das Ausscheiden aus der Europa League ist kein Beinbruch. Ein Schweizer Klub, der zuletzt in Folge im Achtelfinal der Champions League, im Halbfinal und Viertelfinal der Europa League gestanden hat, hat Respekt und alle Achtung verdient. Und eine dumme Niederlage – auch nicht in dieser brutalen Höhe – kann den internationalen Basler Triumphzug durch Europa nicht schmälern. Auch nicht die Probleme, die nach der Klatsche in Valencia an die Oberfläche gespült worden sind – wenn man sie gemeinsam angeht, aufarbeitet und bereinigt. Dann hätte selbst diese bittere Ohrfeige ihr Gutes.

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