Sorgenbarometer: Ärger über den Verkehr hat deutlich zugenommen
Aktualisiert

SorgenbarometerÄrger über den Verkehr hat deutlich zugenommen

Ob Autofahrer, Zugpendler, Fussgänger oder Velofahrer: Das Bevölkerungswachstum führt laut Experten zu Engpässen beim Verkehr.

von
Nikolai Thelitz

Passanten erzählen, was sie am Verkehr stört. (Video: Vroni Fehlmann)

Die neusten Zahlen des CS-Sorgenbarometers zeigen: Neben Job-Unsicherheit, Zuwanderung und dem starken Franken ist neu auch der Verkehr ein Thema, das den Schweizern besonders viele Sorgen bereitet. Für elf Prozent der Schweizer ist es gar eines der fünf grössten Probleme, das die Schweiz hat. Wo genau der Schuh drückt, erklären Experten.

Autofahrer

Dem Autofahrer in der Schweiz macht vor allem eines Sorgen: der Stau. «Die Staustunden haben sich seit 2009 verdoppelt», sagt Thomas Rühl, Verkehrsexperte bei der Credit Suisse. Dies sei auf das Bevölkerungswachstum der letzten Jahre zurückzuführen, aber auch auf die gestiegenen Mobilitätsbedürfnisse der Schweizer. Die Strassen auszubauen, sei jedoch schwierig. Wenn es ein knappes Gut in der Schweiz gibt, dann ist es der Platz. «Darauf erheben viele Menschen Anspruch, ein Ausbau muss politische Hürden überwinden, so dass man nicht schnell genug auf das Bevölkerungswachstum reagieren kann.» Viele Leute hätten Bedenken, dass ein Strassenausbau für Umwelt, Lärmbelastung und Landschaftsbild in der Region schädlich sein könnte.

ÖV-Nutzer

Bei den Zug- und Buspassagieren sorgt laut Rühl vor allem der mangelnde Sitzplatz für rote Köpfe. Gerade während der Stosszeiten finde man in Städten und in Agglomerationen kaum noch einen Sitzplatz. «Auch die Bahnhöfe sind stark belastet, in Bern musste man gar signalisieren, in welchen Bahnen sich der Pendler in welche Richtung bewegen soll.» Auch hier seien Kapazitätserhöhungen schwierig. «Die Züge fahren oft schon dicht getaktet im Bahnhof ein.» Zudem seien Bahnprojekte wie Fabi schon unterwegs, die Auswirkungen aber noch zu wenig spürbar. Der Unmut habe aber auch mit Nostalgie zu tun. «Viele Pendler haben ein romantisiertes Bild der Vergangenheit von halbleeren Zügen und staufreien Strassen der 80er-Jahre. In der Realität haben wir aber seither viel mehr Verbindungen und eine bessere Erschliessung.» Die momentanen Kapazitätsengpässe seien auch ein Zeichen für den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz.

Velofahrer

Auch die Velofahrer haben im Verkehr zu kämpfen. Wie auch bei den anderen Verkehrsteilnehmern geht es laut Rühl um den knappen öffentlichen Raum. «In den USA wurden die Städte mit Berücksichtigung des Autos gebaut, in der Schweiz waren sie oft schon vor dem Auto da. Das heisst, dass sich alle Verkehrsteilnehmer einen knappen Raum teilen müssen.» Für Velowege oder breite Trottoirs bleibt oft kein Platz mehr übrig. Zwar sei auch die USA kein Velo-Paradies, aber die Kapazität sei dort noch eher vorhanden. «Schlussendlich kommt es auch auf den politischen Willen an. In Ländern wie Dänemark ist die Velo-Kultur stärker verankert, dort gibt es auch mehr Velowege.»

Fussgänger

Die Sorgen der Fussgänger drehen sich laut Thomas Schweizer, Geschäftsleiter des Fachverbands Fussverkehr Schweiz, vor allem um das Thema Sicherheit. «Sicherere Schulwege sind nach wie vor ein Thema. Jedes Jahr bei Schulanfang gibt es viele Eltern, die merken, dass die Strassen im Ort alles andere als sicher sind.» Deshalb würden viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren. Auch für ältere Menschen stehen die Gefahren des Strassenverkehrs im Zentrum. Die Strassenquerung sei eine Herausforderung, weil sie sich nicht so schnell wie andere Fussgänger bewegen könnten.

Viele Autofahrer stören sich am Stau. (Bild: Keystone/SAMUEL GOLAY)

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