Präventionsarzt: «Ärmere Eltern haben häufiger dicke Kinder»
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Präventionsarzt«Ärmere Eltern haben häufiger dicke Kinder»

Bei Übergewicht von Kindern spielen Herkunft und Beruf der Eltern eine Rolle. Das belegt eine Schweizer Studie.

von
Michael Baumann
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Burger zum Znacht: Sind Kinder auf sich allein gestellt, ernähren sie sich häufig falsch.

Burger zum Znacht: Sind Kinder auf sich allein gestellt, ernähren sie sich häufig falsch.

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Kinder mit Eltern aus Italien oder dem Kosovo sind mehr als doppelt so häufig übergewichtig wie Kinder von Schweizer Eltern.

Kinder mit Eltern aus Italien oder dem Kosovo sind mehr als doppelt so häufig übergewichtig wie Kinder von Schweizer Eltern.

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Arbeiterfamilien haben am häufigsten dicke Kinder, Manager am seltensten.

Arbeiterfamilien haben am häufigsten dicke Kinder, Manager am seltensten.

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Kinder mit Eltern aus Italien oder dem Kosovo sind mehr als doppelt so häufig übergewichtig wie Kinder von Schweizer Eltern (siehe Bildstrecke). Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Präventionsarzt Per Bo Mahler im Kanton Genf gemeinsam mit Forschern zweier Hochschulen durchgeführt hat.

Dazu untersuchte er das Gewicht von 8000 Genfer Schulkindern aus der zweiten, fünften und achten Klasse. Die Ergebnisse verglich er nicht nur mit der Herkunft der Eltern, sondern auch mit deren Beruf und Einkommen. Auch hier fand sich ein Zusammenhang: Arbeiterfamilien haben am häufigsten dicke Kinder, Manager am seltensten.

Herr Mahler, ist Übergewicht bei Kindern eine Frage der Herkunft?

Nicht direkt. Aus meiner Sicht hat Übergewicht nichts mit der Nationalität an sich zu tun, sondern vor allem mit dem sozialen Status. Beispielsweise haben Familien aus dem Kosovo häufig ein niedriges Bildungsniveau und dadurch ein tiefes Einkommen. Das hat negative Folgen für die Ernährung der Kinder.

Inwiefern?

Ärmere Familien verdienen oft so schlecht, dass sowohl Vater als auch Mutter gezwungen sind, gleich mehrere Jobs auszuüben, etwa Putzen am Tag und Servieren am Abend. So haben viele Eltern wenig Zeit, sich um die Ernährung und Bewegung der Kinder zu kümmern. Diese sind oft allein und ernähren sich zu süss und zu fettig.

Was lässt sich dagegen tun?

Als Präventionsarzt kämpfe ich in den Schulen zwar für ein gesundes Körpergewicht. Bewegungsförderung und Tipps für gute Ernährung reichen aber nicht. Denn häufig ist es in der Schule schon zu spät – die Kinder kommen bereits dick in die erste Klasse. Ich finde, wir sollten die Leute ganz unten auf der Lohnskala besser für ihre Arbeit bezahlen. Das wäre eine mutige und wirksame Massnahme gegen die Volkskrankheit Übergewicht.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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