Aktualisiert 13.01.2006 14:57

Ärzte beunruhigt wegen Scharon

Die Mediziner sind sehr besorgt, weil der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon trotz einer Reduzierung der Narkosemittel noch nicht aus seinem künstlichen Tiefschlaf erwacht ist .

Medien berichteten am Freitag, je länger es dauere, bis er wieder zu Bewusstsein komme, umso grösser sei die Befürchtung, dass sein Gehirn schwer geschädigt worden sein könnte.

Scharons Zustand war am Freitag, den neunten Tag nach seinem schweren Schlaganfall, weiter unverändert, wie das Jerusalemer Hadassah-Krankenhaus mitteilte. Kliniksprecher Ron Krumer betonte jedoch, es gebe keinen klaren Zeitrahmen dafür, wann Scharon die Augen öffnen müsse. Die Mediziner hatten am Montag damit begonnen, Scharons Narkose zu reduzieren. Seitdem hat der Ministerpräsident mehrfach auf Schmerz-Reize reagiert. Sein Zustand wurde aber weiter als kritisch beschrieben.

Trotz der schweren Erkrankung Scharons wächst die Unterstützung für dessen neue Kadima-Partei vor der israelischen Wahl im März. Sie kann mit 43 der 120 Sitze in der Knesset rechnen und liegt damit deutlich vor ihren Konkurrenten Likud und Arbeitspartei, wie eine am Freitag in der Zeitung «Maariv» veröffentlichte Umfrage ergab. Nach dem Schlaganfall Scharons war in der Kadima die Sorge laut geworden, dass die Partei den Ausfall ihres Gründers nicht verkraften könnte.

Scharons Stellvertreter Ehud Olmert traf unterdessen mit zwei Nahost-Gesandten der Vereinigten Staaten zusammen, um über die bevor stehende palästinensische Wahl zu sprechen, wie das Büro des amtierenden Ministerpräsidenten mitteilte. Dem israelischen Rundfunk zufolge will Olmert die populäre Justizministerin Tsipi Livni zur Nachfolgerin von Aussenminister Silvan Schalom ernennen. Schalom trat am Freitag zurück, nachdem sein Likud-Block sich in dieser Woche aus der Regierung zurückgezogen hatte.

In die israelische Parlamentswahl am 28. März zieht der Likud mit seinem Vorsitzenden Benjamin Netanjahu und Schalom als Spitzenkandidaten. Während die ersten zwei Listenplätze für die beiden reserviert waren, wurden die übrigen Kandidaten am Donnerstag vom 3.000-köpfigen Zentralkomitee ausgewählt. Dabei setzten sich viele ausserhalb der Partei eher unbekannte Hardliner durch, was den Rechtsruck des Likud nach dem Austritt Scharons im November bestätigte. Jüngsten Umfragen zufolge kann der Likud bei der Wahl mit etwa 15 Sitzen rechnen. (dapd)

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