Grossbritannien: Ärzte dürfen Archie (12) sterben lassen – gegen den Willen seiner Eltern

Publiziert

GrossbritannienÄrzte dürfen Archie (12) sterben lassen – gegen den Willen seiner Eltern

Archie liegt seit einem Unfall im April im Koma. Laut Ärzten gebe es keine Hoffnung auf eine Heilung. Ein Gericht hat nun entschieden, dass die lebenserhaltenden Massnahmen beendet werden dürfen.

1 / 6
«Ein Bub, der meine Hand drücken kann, kann nicht hirntot sein», sagt Archies Mutter Hollie.

«Ein Bub, der meine Hand drücken kann, kann nicht hirntot sein», sagt Archies Mutter Hollie.

Screenshot/Privat
Archie liegt seit einem Unfall im April im Koma.

Archie liegt seit einem Unfall im April im Koma.

Screenshot/Privat
Seine Familie wacht an seinem Bett.

Seine Familie wacht an seinem Bett.

Facebook/poledanceuk

Darum gehts

  • Archie (12) liegt seit einem Unfall im April im Koma und gilt als nicht mehr heilbar.

  • Seine Eltern kämpfen darum, dass die lebenserhaltenden Massnahmen fortgesetzt werden.

  • Ein Gericht hat nun entschieden, dass die Ärzte den Buben sterben lassen dürfen.

Ärzte in Grossbritannien dürfen die lebenserhaltenden Massnahmen für den unheilbar kranken Archie einstellen. Das sei im besten Interesse des 12-Jährigen, entschied Richter Anthony Hayden am Freitag am Londoner Gerichtshof High Court. Der Bub hatte sich bei einem häuslichen Unfall im April schwere Hirnverletzungen zugezogen – womöglich bei einer Mutprobe aus dem Internet. Der Bub war am 9. April zu Hause bewusstlos mit einem Band um den Hals aufgefunden worden. Er liegt seither im Koma.

Hollie Dance und Paul Battersbee argumentieren, dass das Herz des Buben noch schlage und wollen, dass die Behandlung fortgesetzt werde. Die Mutter sagte der «Daily Mail»: «Als mein Sohn im Spital ankam, wurde mir gesagt, dass er die Nacht nicht überleben würde. Doch jetzt, zehn Wochen später, ist er immer noch da.» Archie sei ein Kämpfer und kämpfe den Kampf seines Lebens – «wie könnte ich da nicht genauso hart kämpfen?», fragt die Mutter.

«Alles, worum wir je gebeten haben, ist Zeit. Menschen liegen monatelang im Koma, aber das Spital wollte meinen Sohn schon nach drei Tagen für tot erklären, als er noch unter Beruhigungsmitteln gestanden hatte. Ich weiss nur, dass ein Bub, der meine Hand drücken kann, nicht hirntot sein kann», sagt Hollie weiter. 

Richter stützt sich auf «medizinische Beweise»

Der Richter sagte, die medizinischen Beweise seien «überzeugend und einhellig» und zeichneten ein «düsteres Bild». «Archies Mutter hat ihn als Kämpfer beschrieben, und ich bezweifle nicht, dass er einer war», sagte Hayden. «Aber der Kampf (...) steht nicht mehr unter Archies Kontrolle. Der Schaden an seinem Gehirn hat ihm jede körperliche Autonomie genommen.»

Archie wird im Royal London Hospital in Whitechapel lebenserhaltend versorgt, seine Familie wacht an seinem Bett. Seit dem Unfall hat er das Bewusstsein nicht wiedererlangt. Am 6. Juni 2022 teilte ein Spezialist dem Gericht mit, dass Scans zeigen, dass Teile von Archies Gehirn tot seien und zerfallen würden. Seine Chance auf eine Heilung sei «sehr gering».

Der Fall erinnert an ähnliche Auseinandersetzungen um unheilbar kranke Kinder in Grossbritannien. Der finanziell stark unter Druck stehende britische Gesundheitsdienst neigt dazu, lebenserhaltende Massnahmen sehr viel früher zu entziehen, als das in anderen europäischen Länder der Fall wäre. Zudem werden die Wünsche von Eltern und Angehörigen dabei nicht im selben Masse berücksichtigt. Was im besten Sinne der Patientin oder des Patienten ist, entscheiden oft Richter auf Empfehlung von Medizinern.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein schwer krankes Kind?

Hier findest du Hilfe:

Pro Pallium, Begleitung von Familien mit schwerstkranken Kindern und jungen Erwachsenen

Intensiv-Kids, Elternvereinigung

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

(DPA/job)

Deine Meinung

86 Kommentare