Aktualisiert 02.09.2005 07:43

Ärzte flehen um Hilfe für ihre Patienten

Die Ärzte von zwei schwer beschädigten Krankenhäusern in New Orleans haben in ihrer Verzweiflung bei der Nachrichtenagentur AP angerufen, weil sei keine Hilfe bekommen.

Lebensmittel und Strom gehen zur Neige und die Patienten mussten in die oberen Stockwerke gebracht werden, um sie vor Plünderern zu schützen, berichten die Mediziner.

«Wir haben versucht, das Büro des Bürgermeisters zu erreichen. Wir haben versucht, das Büro des Gouverneurs zu erreichen. Wir haben alles versucht. Jetzt wenden wir uns an Euch. Bitte helft uns», sagt Norman McSwain von der Unfallchirurgie der Charity-Klinik. 250 Patienten hat das Krankenhaus. «Wir brauchen endlich koordinierte Hilfe.»

Die Beschreibung der Zustände klingt grauenhaft. Die Kranken essen Fruchtbowle, was anderes ist nicht mehr da. Das Wasser ist fast aufgebraucht. Es gibt kaum noch Strom. «Die Intensivstation haben wir in den zwölften Stock verlegt. Weil die Aufzüge nicht mehr fahren, müssen Krankenschwestern und Ärzte die Treppen nehmen, um die Patienten zu sehen.»

Lee Hamm ist Leiter des Tulane-Universitätsklinikums. «Die Ärzte und Pfleger machen einen unglaublichen Job. Aber die Patienten liegen auf Baren in den dunklen Fluren. Die Treppen sind dunkel, es gibt keine Aufzüge und keine Kommunikation mit der Welt da draussen.» Er fürchtet, die beiden Krankenhäuser wurden vergessen. Während die meisten anderen Kliniken wenigstens zum Teil evakuiert werden, gebe es im Tulane und im Charity keine Anzeichen auf Hilfe.

Am Mittwoch kommt plötzlich Hoffnung auf. Es heisst, die Nationalgarde komme und werde die Kranken in Sicherheit bringen. Doch die Hilfe kommt nicht. «Sie können sich vorstellen, wie niederschmetternd das war», sagt Hamm.

In der ganzen Stadt breiten sich Tod, Verwüstung und Verwahrlosung aus, obwohl das Wasser langsam zurückgeht. «Alle Krankenhäuser der Stadt wollen evakuiert werden», sagt Cheri Ben-Iesan von der Küstenwache. «Aber von allen gibt es Berichte, dass Rettungshubschrauber beschossen werden.» Die verzweifelten Anwohner feuern auf Polizei und Helikopter, weil sie selbst aus der Stadt gebracht werden wollen.

Richard Zuschlag beschreibt das Chaos bei einer Klinik in einem Vorort. «Wir versuchten, Lebensmittel und Medikamente zum Kenner-Memorial-Krankenhaus einzufliegen. Aber am Landeplatz wartete ein Mob, die Menschen hatten Schusswaffen. Die Piloten weigerten sich, zu landen.» Die Ärzte hätten geweint und um Hilfe geschrien.

65 Patienten des Touro-Infirmary-Krankenhauses wurden am Mittwochabend für die Evakuierung aufs Dach gebracht. Doch keine Hubschrauber kamen. Weil die Generatoren des Krankenhauses längst ausgefallen sind ist es im Gebäude heiss und stickig. Die Patienten werden deswegen über Nacht auf dem Dach gelassen. «Das schien uns sicherer zu sein», sagt Zuschlag.

Selbst die wenigen Kranken, die es in einen Hubschrauber geschafft haben, sind noch nicht in Sicherheit. Die Entscheidung, wohin sie gebracht werden können, fällt oft erst in der Luft. (dapd)

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