Killer-T-Zellen - Ärzte können jetzt Schwere eines Covid-19-Verlaufs vorhersagen
Publiziert

Killer-T-ZellenÄrzte können jetzt Schwere eines Covid-19-Verlaufs vorhersagen

Wie eine Sars-CoV-2-positive Person mit dem Coronavirus zurechtkommt, liess sich bislang nicht sicher vorhersagen. Zürcher Forschende ändern das.

von
Fee Anabelle Riebeling
1 / 5
Wie eine Person die Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 wegsteckt, konnte bisher kaum jemand vorhersagen. 

Wie eine Person die Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 wegsteckt, konnte bisher kaum jemand vorhersagen.

20min/Simon Glauser
Zwar gelten einige Personengruppen aufgrund von Vorerkrankungen oder ihres Alters als Risikogruppe,…

Zwar gelten einige Personengruppen aufgrund von Vorerkrankungen oder ihres Alters als Risikogruppe,…

Unsplash
…doch auch Patienten ohne derartige Vorzeichen können einen schweren Verlauf haben. 

…doch auch Patienten ohne derartige Vorzeichen können einen schweren Verlauf haben.

Getty Images/iStock

Darum gehts

  • Eine Blutprobe kann verraten, welcher Verlauf einer mit Sars-CoV-2 infizierten Person droht.

  • Relevant ist dafür die Anzahl sogenannter Killer-T-Zellen, wie Forschende nachgewiesen haben.

  • An der Identifizierung dieser zuverlässigen Anhaltspunkte waren auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Zürich beteiligt.

  • Die Erkenntnisse könnten auch zur Entwicklung neuer Therapien führen.

Wer weiss, welcher Verlauf einen Patienten erwartet, kann entsprechend handeln. Bei Covid-19 war eine solche Vorhersage jedoch kaum möglich. Doch nun hat ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Zürich einen Biomarker identifiziert, der genau das ermöglicht: die sogenannten Killer-T-Zellen.

Diese zählen zu den weissen Blutzellen und sind Teil der früheren Immunabwehr. «Anhand der Anzahl der Killer-T-Zellen im Blut kann ein schwerer Covid-19-Verlauf mit hoher Sicherheit vorhergesagt werden – und das bereits am Tag der Aufnahme ins Spital», sagt Burkhard Becher vom Institut für Experimentelle Immunologie.

Das frühe Wissen hilft den Behandelnden, zu entscheiden, welche Organisations- und Therapiemassnahmen bei einem Covid-19-Patienten ergriffen werden müssen, wie Verlegung auf Intensiv- oder Normalstation, Häufigkeit der Sauerstoffsättigungsmessungen, Therapie und Behandlungsstart. «Für solche Überlegungen sind prädiktive Biomarker sehr hilfreich. Sie helfen, Patienten mit schweren Verläufen bestmöglich zu versorgen», erklärt UZH-Forscherin Stefanie Kreutmair. Auch die Erforschung neuer Therapien gegen Covid-19 werde so möglich, so die Erstautorin der Studie.

Vergleich brachte Klarheit

Ursache für die rapide Verschlechterung des Zustands von Covid-19-Patienten ist eine überschiessende Antwort des Immunsystems. «Die enorme Produktion von Botenstoffen, Zytokinsturm genannt, verursacht eine massive Entzündungsreaktion im Körper. Immunzellen wandern massenweise in die Lunge ein, wo sie den Gasaustausch stören», erklärt Becher.

Diese Immunreaktion verglich sein Team mit jener von Personen, die eine Lungenentzündung aufgrund einer Infektion mit einem anderen Krankheitserreger bekommen hatten. Dadurch konnten die Forscherinnen und Forscher das Einzigartige der Immunantwort auf Sars-CoV-2 identifizieren. «Die Immunantwort in den unterschiedlichen Lungenentzündungen ist sehr ähnlich und Teil einer allgemeinen Entzündungsreaktion, wie man sie häufig bei Patienten auf der Intensivstation sieht. T-Zellen und natürliche Killerzellen verhalten sich bei Covid-19 jedoch einzigartig und definieren eine Art Muster im Immunsystem: die Covid-19-spezifische Immunsignatur», so Becher.

Die Studie des Teams soll in den nächsten Tagen im Fachjournal «Immunity» erscheinen, eine Vorab-Version (als Pdf herunterladbar) wurde auf der UZH-Homepage veröffentlicht.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Wissen-Push

Abonniere in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Du wirst über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhältst du Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Wissen» an – et voilà!

Deine Meinung