Aktualisiert 08.12.2008 10:28

BernÄrzte legen elektrische Leitungen ins Hirn

Am Universitätsspital Bern sind erstmals in der Schweiz zwei Patientinnen wiederaufladbare Hirnschrittmacher eingesetzt worden. Die Implantierungen erfolgten Ende November und Anfang Dezember, wie das Berner Inselspital bekannt gab.

Der Neurochirurg Alexander Stibal und sein Team setzten einer 42-jährigen Patientin aus dem bernischen Münchenbuchsee und einer 33-jährigen Patientin aus Domat-Ems im Bündnerland je einen Schrittmacher im Unterbauch ein und verlegten unter der Haut elektrische Leitungen ins Gehirn, wie das Inselspital schreibt. Mit elektrischen Impulsen können so «Fehlschaltungen» im Gehirn korrigiert werden. Das von aussen wiederaufladbare Gerät erspart den Patientinnen im Lauf der Jahre neue Operationen. Hirnschrittmacher mussten bisher alle zwei bis fünf Jahre komplett ausgewechselt werden. Das neue, in der Schweiz hergestellte «Activa RC»-Gerät der amerikanischen Firma Medtronic kann vom Patienten selber wieder aufgeladen werden, wie es weiter heisst.

Der in Bern eingesetzte Schrittmacher der neuen Generation kann mehrere Stellen im Hirn unterschiedlich stark stimulieren. Der Patient kann selbst durch individuelle Einstellungen das Zittern vermeiden, aber auch schwere Haltungsstörungen mildern oder sogar weitgehend beseitigen. Laut Alain Kaelin, dem Leiter des Zentrums für Bewegungsstörungen am Inselspital, bedeutet dies für die Patienten und ihre Angehörigen einen grossen Gewinn an Lebensqualität. Neben der Hirnstimulation durch ganz feine Stromimpulse wird in der Universitätsklinik für Neurologie des Inselspitals auch die magnetische Hirnstimulation eingesetzt, etwa für die Rehabilitation von Unfallopfern mit Schädelverletzungen. Ein Neurologen-Team des Inselspitals hat dafür in diesem Jahr den Forschungspreis der Schweizer Hirnliga erhalten.

Seit 2004 haben sich rund 3.000 Patientinnen und Patienten aus der ganzen Schweiz im Zentrum für Bewegungsstörungen behandeln lassen, die meisten davon ambulant. Diagnostiziert und behandelt wurden vor allem Parkinson, Dystonien (fehlerhafte Muskelspannung) und Spastizität (Verkrampfungen). Die Bewegungsstörungen werden nicht allein durch Hirnstimulation behandelt, sondern auch medikamentös, vor allem mit Botulinumtoxin-Injektionen. (dapd)

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