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Umstrittener Schmuck Ärzte warnen vor Ohrlöchern für Babys

Eine Bernerin möchte einem kleinen Kind gestochene Ohrlöcher ermöglichen. Der Beitrag schlägt im Netz hohe Wellen. Kinderärzte, Anbieter und Politiker streiten sich über das Thema.

von
bho/maz
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Sollen Eltern für ihre Kleinkinder Ohrlöcher stechen lassen dürfen? Ab welchem Alter macht eine solche Praxis Sinn?

Sollen Eltern für ihre Kleinkinder Ohrlöcher stechen lassen dürfen? Ab welchem Alter macht eine solche Praxis Sinn?

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Auf Facebook ist zurzeit eine angeregte Diskussion am Laufen. Grund des Anstosses ist ein Social-Media-Eintrag einer Bernerin über das Stechen von Ohrlöchern bei Kleinkindern.

Auf Facebook ist zurzeit eine angeregte Diskussion am Laufen. Grund des Anstosses ist ein Social-Media-Eintrag einer Bernerin über das Stechen von Ohrlöchern bei Kleinkindern.

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Darin sucht diese in der FB-Gruppe «Berner Flohmi»  einen ‹seriösen› Anbieter, der für ein Baby Ohrlöcher stechen könne. Sie möchte einer Freundin einen Gutschein schenken, damit diese ihr Kind stechen lassen kann.

Darin sucht diese in der FB-Gruppe «Berner Flohmi» einen ‹seriösen› Anbieter, der für ein Baby Ohrlöcher stechen könne. Sie möchte einer Freundin einen Gutschein schenken, damit diese ihr Kind stechen lassen kann.

Screenshot Facebook

Sollen Eltern für ihre Kleinkinder Ohrlöcher stechen lassen dürfen? Ab welchem Alter macht eine solche Praxis Sinn? Auf Facebook ist zurzeit eine hitzige Diskussion am Laufen. Auslöser ist ein Social-Media-Eintrag einer Bernerin. Sie sucht einen Anbieter in Bern, der einem Kleinkind die Ohrläppchen stechen kann.

Neu ist die Praxis nicht. Auch Promimütter lassen die Ohren ihrer Kleinkinder immer öfters stechen. So posteten zum Beispiel die beiden Schwestern Khloé Kardashian und Kylie Jenner Bilder ihrer Kinder, auf denen diese bereits Ohrstecker tragen.

Mittels der FB-Gruppe «Berner Flohmi» sucht eine Frau einen ‹seriösen› Anbieter, der für ein Baby Ohrlöcher stechen könne. Sie möchte einer Freundin einen Gutschein schenken, damit diese ihr Kind stechen lassen kann, wenn es ein Jahr alt sei.

Obwohl der Eintrag noch nicht einmal zwei Tage im Netz ist, überschlagen sich die Reaktionen darauf. Über 140 Kommentare sind bisher abgegeben worden.

• «Das wird kein seriöser Piercer stechen... und schiessen würde ich nicht empfehlen...»

• «Die Dame fragt, wo sie es stechen kann und nicht nach eurer Meinung!!!! Jeder entscheidet selbst für ihr Kind»

• «Professionelle Läden bieten dies erst ab fünf Jahren an.»

• «So eine scheiss Diskussion, nur wegen einer Frage. So doof die Menschheit»

• «So was von krank. Sorry»

• «Wenn sie ihre Kinder stechen lassen wollen, dann sollen sie doch»

Bei Kinderärzten gebe es hinsichtlich der Praxis keine einheitliche Regelung, erklärt Irene Fietz. «Mir sind jedoch keine Personen im direkten Umfeld bekannt, die das anbieten», so die Berner Kinderärztin. Sie sieht zwei Hauptprobleme bei der Thematik: Zum einen sei die Infektionsgefahr bei Kleinkindern sicher grösser. «Der Ohrstecker muss täglich desinfiziert werden. Zudem besteht die Gefahr, dass man den Stecker zu eng zusammendrückt und der hintere Teil im Ohrläppchen einwächst.»

Das andere Problem betreffe das Kosmetische: «Das Ohrläppchen der Kleinkinder wächst ständig.» Dadurch könne es später zu unliebsamen optischen Veränderungen kommen, so die Ärztin. Generell sei das Ohrlochstechen vor allem bei tendenziell südländischen Eltern und deren Kindern gefragt. «Bei gewissen Kulturen gehört das einfach dazu.» In diesem Alter ein Ohrloch stechen lassen zu wollen, sei ein Wunsch der Eltern und nicht der Kinder: «Wieso kann man nicht warten, bis die Person selber sagen kann, ob sie es möchte?»

«Wir bieten diese Praxis deshalb ab drei Wochen nach der Geburt an.»

Auch beim Modegeschäft Clairs in Bern setzt man die Altersgrenze relativ tief. Bereits ab vier Monaten können interessierte Eltern ihre Kinder stechen lassen. Vor dem Stechen fände jeweils ein Gespräch statt: «Ein Gesundheitsformular und ein Impfausweis müssen ausgefüllt und wichtige Angaben bestätigt werden.»

Ohrstecker kann man auch in Apotheken stechen lassen. Beispielsweise in der Amavita-Apotheke in Köniz. «Wir haben eine Altersgrenze von 5 Jahren.» Jedoch komme es immer wieder vor, dass jüngere Kinder gestochen werden sollen. Die Galenica AG, zu der die Amavita Apotheken gehören, teilt gegenüber 20 Minuten mit, dass es keine allgemeine Regel für eine untere Altersgrenze gäbe. Man würde aber empfehlen, das Ohrstechen erst ab 7 Jahren durchzuführen.

«Kinder sollen mitentscheiden dürfen. Ab dem vierten bis fünften Lebensjahr ist das durchaus möglich.»

Eine andere Meinung vertritt der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner. Er findet den Eingriff unproblematisch: «Es ist Sache der Eltern, ob sie die Ohren ihrer Kinder stechen lassen oder nicht.» Frehner zieht einen Vergleich: «Das Kind darf ja auch nicht alleine entscheiden, ob es in den Kindergarten will oder nicht.» Das Gleiche gelte auch für die Ohrläppchen.

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