Ärzte wollen nicht aussterben
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Ärzte wollen nicht aussterben

Mindestens 10 000 Ärzte und Praxisassistentinnen haben auf dem Berner Bundesplatz für bessere Arbeitsbedingungen und gegen den drohenden Ärztemangel demonstriert. In weissen Arztkitteln machten sie vor dem Bundeshaus ihrem Ärger über die Politik Luft und forderten mehr Respekt für die medizinische Grundversorgung.

«Vom Sterben bedroht» oder «à quand notre grounding» sind Aufschriften, die auf zweien der unzähligen Transparente zu lesen sind. Die Allgemeinmediziner beklagen mangelnden Nachwuchs und warnen vor einem Hausärztemangel. Viele der Kundgebungsteilnehmer tragen ihre weissen Arbeitskittel.

Die erste nationale Kundgebung der Ärzte überhaupt stand unter dem Motto «pro specie rara» und wollte Politik und Öffentlichkeit auf den drohenden Ärztemangel aufmerksam machen. Mitten auf dem Bundesplatz hatten die Organisatoren einen Käfig aufgestellt, in dem sich die demonstrierenden Ärzte dann als Teil einer vom Aussterben bedrohte Art präsentierten. Zahlreiche Ärzte marschierten in ihren weissen Arbeitskitteln auf und wiesen auf Transparenten auf drohende Versorgungsengpässe hin. «Hausarzt = Ausarzt», «Hausarzt R.I.P» oder «Der Staatstarif ist existenzbedrohend» war auf den Banderolen zu lesen.

Die Kritik der medizinischen Grundversorger richtete sich auch gegen Gesundheitsminister Pascal Couchepin: «Herr Couchepin, stellen Sie sich vor, Sie sind krank und keiner geht hin», war auf einem der Transparente zu lesen. Ein anderer Demonstrant meinte, die Vögel kämpften mit der Grippe, die Hausärzte hingegen mit Couchepin. Hausärztin Margot Enz Kuhn sagte am Rednerpult, sie sei wütend auf Politiker und Behörden, weil diese die Hausärzte immer im entscheidenden Moment im Regen stehen liessen. Und Hans-Ueli Späth, Präsident der Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM), warnte, die heutige Demonstration sei nur der Anfang einer Bewegung, die mehr Respekt für die Hausärzte einfordere. Auch Ständerätin Simonetta Sommaruga (SP/BE) solidarisierte sich mit den Demonstranten.

Konkret fordern die Hausärzte bessere Arbeitsbedingungen, mehr politische Mitsprache und eine gezieltere Nachwuchsförderung. Wegen Arbeitswochen von bis zu 80 Stunden, Notfalldiensten und ungerechten Behandlungstarifen seien immer weniger Medizinstudenten bereit, Hausarzt zu werden. Zudem fühlen sich die Hausärzte auch durch das Tarifsystem Tarmed benachteiligt, da ihre Verdienstmöglichkeiten geringer sind als jene der Spezialisten.

Der Aufmarsch der unzufriedenen Ärzte übertraf die Erwartungen der Organisatoren bei weitem. Sie sprachen von 12.000 Teilnehmern, etwa doppelt so viel, wie erwartet wurden. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl nur unwesentlich tiefer auf 10.000. Zum Ende der Kundgebung trugen die Ärzte eine Petition mit ihren Forderungen auf Bahren ins Bundeshaus. Mehr als 300.000 Patientinnen und Patienten haben die Forderungen unterschrieben und sich damit ebenfalls mit den Ärzten solidarisch gezeigt. Zur Kundgebung aufgerufen hatten die SGAM, vier weitere Hausarztverbände sowie der Bund der Praxisassistentinnen.

(sda)

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