Aktualisiert 14.03.2017 12:24

Ärzte aus dem Ausland

Ärzteverband warnt vor Sprachgewirr im Spital

Ausländische Ärzte sollen ausreichend gut Deutsch können, fordert der Schweizer Ärzteverband. Ansonsten drohten Todesfälle, so der Patientenschutz.

von
A. Schawalder
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Im Spital ist eine gut funktionierende Kommunikation wichtig. Sie verläuft aber nicht immer optimal, da es immer mehr Ärzte gibt, die nicht über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen.

Im Spital ist eine gut funktionierende Kommunikation wichtig. Sie verläuft aber nicht immer optimal, da es immer mehr Ärzte gibt, die nicht über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen.

Keystone/Gaetan Bally
Auch zwischen Patienten und Ärzten ist eine gut funktionierende Kommunikation wichtig. Deshalb fordert der Ärzteverband FMH mindestens das Niveau B2 in einer Amtssprache.

Auch zwischen Patienten und Ärzten ist eine gut funktionierende Kommunikation wichtig. Deshalb fordert der Ärzteverband FMH mindestens das Niveau B2 in einer Amtssprache.

Keystone/Christian Beutler
Patientenschützerin Margrit Kessler kritisiert die Situation sehr: «Kommunikationsprobleme können in der Medizin zum Tod führen.»

Patientenschützerin Margrit Kessler kritisiert die Situation sehr: «Kommunikationsprobleme können in der Medizin zum Tod führen.»

Yves Roth

Der Schweizer Ärzteverband FMH ist alarmiert: Er befürchtet, dass ausländische Ärzte hier praktizieren dürfen, auch wenn sie unzureichend deutsch sprechen. Der Bundesrat soll noch in diesem Monat entscheiden, ob Ärzte in Zukunft gewisse Minimalsprachkenntnisse erfüllen müssen. In einem Entwurf fehlte nun aber eine Präzisierung dieses Punkts, kritisiert der Verband. «Eine griffige Regelung zur Sicherstellung der Sprachkompetenz ist nicht in Sicht», sagt Christoph Hänggeli, Geschäftsführer des Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung, das dem FMH angehört.

Welche Erfahrungen haben sie mit fremdsprachigen Ärzten gemacht? Erzählen Sie es uns.

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Der FMH fordert mindestens Niveau B2 in einer Amtssprache. Das heisst, dass Ärzte sich fliessend in der Sprache unterhalten können und Diskussionen auf ihrem Fachgebiet verstehen. «Diese Forderung liegt immer noch weit unter den Standards, welche andere europäische Länder voraussetzen», sagt Christoph Hänggeli. Deutschland und Österreich beispielsweise führten strenge Sprachtests durch. «In diesen Ländern herrscht Einigkeit darüber, dass Ärzte sich mühelos mit Patienten und Kollegen in einer Landessprache verständigen können müssen, damit Fehldiagnosen und falsche Therapieentscheidungen infolge mangelnden Sprachverständnisses ausgeschlossen sind.»

«Kommunikationsprobleme können zum Tod führen»

Patientenschützerin Margrit Kessler spricht von «unhaltbaren Zuständen». Viele Spitäler erwarteten, dass sich Ärzte die Sprache während der Arbeit aneigneten. Das berge grosse Risiken: «Kommunikationsprobleme können in der Medizin zum Tod führen», sagt Kessler. Sie berichtet von einem Fall, bei dem ein Patient in der Psychiatrie gestorben ist.

Der behandelnde Arzt habe den Patienten nicht verstanden, als dieser über Fieber und Unwohlsein geklagt habe. Kessler: «Das Nichtbeherrschen der Sprache führt zu vielen Problemen. Zum einen fühlen sich Patienten nicht verstanden, zum anderen kommt noch die komplizierte Medizinfachsprache.» Das führe zu Vertrauensproblemen, pflichtet Dorit Djelid vom Spitalverbund bei, der ebenfalls Deutschkenntnisse auf Stufe B2 fordert.

Gute Sprachkenntnisse seien auch für den Austausch unter dem medizinischen Personal wichtig, sagt Nico van der Heiden vom Verband für Ober- und Assistenzärzte. «Bei einer komplexen Operation arbeiten verschiedene Ärzte zusammen. Wenn nun der Arzt, der für die Betäubung zuständig ist, etwas falsch versteht, kann das verheerend sein.» Das zeigt auch ein Fall aus Grossbritannien. Dort hatte 2004 ein deutscher Arzt einem Patienten die zehnfache Dosis eines Schlafmittels verabreicht, worauf dieser starb. Als Grund für den Fehler wurden neben Inkompetenz auch mangelnde Sprachkenntnisse ermittelt. Die Folge: Die Vorschriften beim Einstellen von ausländischen Ärzten wurden verschärft und die Sprachanforderungen wurden erhöht.

«Ärztemangel in der Psychiatrie besonders ausgeprägt»

Der Ärztemangel ist der Grund, warum überhaupt Personen mit schlechten Sprachkenntnissen angestellt werden», sagt Van der Heiden. In der Psychiatrie sei die Problematik besonders ausgeprägt. Sie stünden nicht selten vor der Frage: «Wollen wir einen Psychiater, der kein Deutsch spricht, oder wollen wir gar keinen?» Diese Betriebe hätten teilweise einfach gar keine Bewerbungen von deutsch sprechenden Ärzten. Patientenschützerin Margrit Kessler sagt dazu: «Lieber eine Pflegefachfrau, die mich versteht, als ein Arzt der kein Deutsch spricht. Das ist weniger gefährlich.»

Allerdings werden bereits heute ausländische Ärzte von vielen Spitälern auf ihre Deutschkenntnisse hin überprüft. Im Universitätsspital Basel ist eine «problemlose mündliche und schriftliche Verständigung» auf Deutsch eine Voraussetzung für eine Anstellung. Auch das Kantonsspital St. Gallen und das Unispital Zürich verlangen von ihren Ärzten Deutschkenntnisse, heisst es auf Anfrage.

Auf Anfrage erklärten die Sprecher des Kantonsspitals St. Gallen und des Unispitals Zürich, dass sie von ihren Ärzten Deutschkenntnisse verlangten. Auch Martin Jordan vom Universitätsspital Basel sagte in der Vergangenheit, dass man die Sprachkenntnisse ausländischer Bewerber überprüfe. Eine «problemlose mündlich und schriftliche Verständigung» auf Deutsch sei eine Voraussetzung für eine Anstellung.

In der Schweiz hat fast jeder dritte Arzt ein ausländisches Diplom. Die meisten kommen aus Deutschland, wobei diese wegen der verbesserten Arbeitsbedingungen zunehmend im Heimatland bleiben. Dafür kommen zunehmend Ärzte aus anderen EU-Staaten sowie Drittstaaten in die Schweiz. Bei der Anerkennung von Diplomen folgen die Rumänen hinter den Nachbarländern Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich auf Platz 5. So wurden laut dem Bundesamt für Gesundheit 2015 102 rumänische Ärzte anerkannt. In den letzten zehn Jahren liessen 498 Griechen, 459 Rumänen, 345 Belgier, 287 Ungarn, 286 Polen und 259 Spanier ihr Diplom in der Schweiz anerkennen.

Das Bundesamt für Gesundheit kann zur Kritik der Sprachregelung «zum jetzigen Zeitpunkt» noch nicht Stellung nehmen.

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