Grüne-Nationalrätin und Veganerin – Ärztin lobt Meret Schneiders mutigen Umgang mit Essstörung
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Grüne-Nationalrätin und VeganerinÄrztin lobt Meret Schneiders mutigen Umgang mit Essstörung

Die Parlamentarierin Meret Schneider hat erstmals öffentlich über ihre Essstörung gesprochen. Eine Expertin befürwortet den Gang an die Öffentlichkeit. Dies könne anderen Betroffenen helfen.

von
Anja Zingg
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Meret Schneider, Nationalrätin der Grünen, spricht das erste Mal öffentlich über ihre Essstörung. 

Meret Schneider, Nationalrätin der Grünen, spricht das erste Mal öffentlich über ihre Essstörung.

Adrian Moser
Gabriella Milos, die das Zentrum für Essstörungen des Universitätsspitals Zürich leitet, begrüsst Schneiders Gang an die Öffentlichkeit. 

Gabriella Milos, die das Zentrum für Essstörungen des Universitätsspitals Zürich leitet, begrüsst Schneiders Gang an die Öffentlichkeit.

privat
Wenn bekannte Persönlichkeiten öffentlich über ihre Erkrankung sprächen, könne dies Betroffenen helfen, so Milos.

Wenn bekannte Persönlichkeiten öffentlich über ihre Erkrankung sprächen, könne dies Betroffenen helfen, so Milos.

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Darum gehts

  • Die Grüne-Nationalrätin Meret Schneider (29) spricht das erste Mal öffentlich über ihre Essstörung.

  • Eine Expertin begrüsst dies.

  • «Das zeigt, dass sie sich bewusst ist, dass sie ein Problem hat», so die Ärztin.

  • Ausserdem könne dies anderen Betroffenen helfen, sich ihr Problem einzugestehen.

Meret Schneider, die vielleicht bekannteste Veganerin der Schweiz, gewährte kürzlich einen tiefen Einblick in ihr Privatleben. «Ich habe eine Workaholic-Essstörung», erzählt die 29-jährige Grünen-Nationalrätin gegenüber dem «Tages-Anzeiger». «Ich arbeite zu viel und habe Mühe, ein sinnvolles Gewicht zu halten.» Um dem entgegenzuwirken, befinde sie sich in Therapie. Ausserdem hat sie ihren Job als Geschäftsleiterin beim Verein «Sentience Politics» gekündigt.

Schneider, seit zwei Jahren Nationalrätin, polarisiert. Sie verzichtet auf Fleisch, aufs Fliegen und aufs Autofahren. Im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger» sagt die Veganerin, sie verlange sehr viel von sich – manchmal zu viel.

«Essstörungen gehen nicht von alleine weg»

Gabriella Milos, die das Zentrum für Essstörungen des Universitätsspitals Zürich leitet, begrüsst Schneiders Gang an die Öffentlichkeit. «Das zeigt, dass sie sich des Problems bewusst ist.» Eine Essstörung müsse therapiert werden. «Es ist eine Krankheit, wie zum Beispiel eine Rheumaerkrankung. Sie geht nicht einfach weg, wenn man nichts dagegen tut.»

Wenn bekannte Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Schneider, öffentlich über ihre Erkrankung sprächen, könne dies Betroffenen helfen. «Es gibt viele, die eine Therapie bräuchten, aber sich vielleicht schämen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.»

Essstörungen zeigen sich verschieden

Essstörungen können laut Milos ganz unterschiedlich auftreten. Bei Anorexie, auch als Magersucht bekannt, dominiert das Untergewicht. «Im Gegensatz zu Bulimie, wo Betroffene unter einer Ess-Brech-Sucht leiden, oftmals aber ein normales Körpergewicht haben.»

Gerade Anorexie-Betroffene seien oft sehr perfektionistische Personen. «Sie sind gewissenhaft aufopfernd und stecken die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund», so Milos. «Anorexische Personen leisten sehr viel für die Gesellschaft – aufgrund der oben erwähnten Charaktereigenschaften – dies zeigt sich oft auch in ihrem Arbeitsverhalten», so Milos.

Umfeld soll bei Verdacht handeln

Gabriella Milos arbeitet seit Jahren mit Personen, die an Essstörungen leiden. «Ich empfehle dem Umfeld, Betroffene auf ihr krankhaftes Essverhalten anzusprechen.» Das könne unangenehm sein und einige würden eventuell wütend oder abweisend darauf reagieren. «Aber es ist wichtig, dass die Krankheit so früh wie möglich therapiert wird.» Je früher reagiert werde, desto grösser seien die Heilungschancen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Essstörung?

Hier findest du Hilfe:

Fachstelle PEP, Beratung für Betroffene und Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Zentrum für Essstörungen, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik

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