08.09.2020 10:39

Nach unangemeldeter KontrolleÄrztin trägt Maske nicht und verliert ihren Job

Bei einer unangemeldeten Kontrolle in einer Arztpraxis im Kanton Zug trugen mehrere Mitarbeiter keine Schutzmaske. Kurz darauf verlor eine Ärztin ihren Job. Sie sieht sich als Bauernopfer.

von
Daniel Graf
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Eine Kundin einer Zuger Arztpraxis meldete dem kantonsärztlichen Dienst, dass nicht alle Mitarbeiter eine Maske tragen würden. (Symbolbild)

Eine Kundin einer Zuger Arztpraxis meldete dem kantonsärztlichen Dienst, dass nicht alle Mitarbeiter eine Maske tragen würden. (Symbolbild)

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Mitarbeiter des kantonsärztlichen Dienstes führten daraufhin eine unangemeldete Kontrolle durch. (Symbolbild)

Mitarbeiter des kantonsärztlichen Dienstes führten daraufhin eine unangemeldete Kontrolle durch. (Symbolbild)

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Bei der Kontrolle wurde festgestellt, dass mehrere Mitarbeiter keine Schutzmaske trugen. (Symbolbild)

Bei der Kontrolle wurde festgestellt, dass mehrere Mitarbeiter keine Schutzmaske trugen. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Mitarbeiter des Kantons führten in einer Zuger Arztpraxis eine unangemeldete Kontrolle durch.
  • Mehrere Mitarbeiter trugen dabei keine Maske.
  • Kurz darauf verlor eine Ärztin ihren Job.
  • Nach Ansicht der Praxis hatte sie zuvor auch andere Weisungen nicht befolgt.

D.S.* arbeitete bis vor wenigen Tagen in einer Zuger Arztpraxis. Damit ist jetzt Schluss, wie einer ihrer ehemaligen Mitarbeiter erzählt: «Eine Patientin hatte sich beschwert, weil sie während der Arbeit keine Maske getragen hatte. Daraufhin wurde der Ärztin fristlos gekündigt.»

Rund zwei Wochen zuvor hatten Mitarbeiter des kantonsärztlichen Dienstes des Kantons Zug in der Praxis eine unangemeldete Kontrolle durchgeführt, um die Einhaltung des Schutzkonzepts zu überprüfen. Aurel Köpfli von der Zuger Gesundheitsdirektion bestätigt: «Wir haben diese Kontrolle um den 20. August herum durchgeführt, nachdem wir aus der Bevölkerung einen Hinweis erhalten hatten, dass nicht alle Mitarbeiter sich an die Maskentragepflicht halten.»

Mehrere Mitarbeiter ohne Maske

Bei der Kontrolle sei festgestellt worden, dass mehrere Mitarbeiter keine Maske getragen hätten. «Wir haben daraufhin das Gespräch mit den Praxisverantwortlichen gesucht und klar gesagt, dass das Maskentragen als Teil des Schutzkonzepts für alle Mitarbeiter Pflicht sei», sagt Köpfli. Bei einer zweiten unangemeldeten Kontrolle sollte die Vorschrift erneut überprüft werden.

Dazu ist es bis jetzt noch nicht gekommen: «Bevor wir die zweite Kontrolle durchführen konnten, wurden wir von der Praxis informiert, dass aufgrund der Verfehlungen personelle Massnahmen ergriffen worden seien», sagt Köpfli. Trotzdem soll die zweite Kontrolle noch durchgeführt werden.

«Ich war mental nicht auf der Höhe»

Ärztin S. sieht sich als Bauernopfer: «Ich habe die Kündigung nur unterschrieben, weil ich nach einem langen Arbeitstag ohne Pausen müde und mental nicht mehr auf der Höhe gewesen bin.» Auch aus Sicht eines damaligen Mitarbeiters war die Kündigung heftig: «Man hätte eine Verwarnung oder eine Busse aussprechen können. Sie aber wie eine Kriminelle zu behandeln und fristlos auf die Strasse zu setzen, finde ich übertrieben.»

Die betroffene Praxis stellt die Situation anders dar: «Es wurde stets klar und nachweislich kommuniziert, dass sich sämtliche Mitarbeiter an die Anweisungen des Bundesamtes für Gesundheit sowie das interne Schutzkonzept der Praxis zu halten haben», sagt der leitende Arzt. Das beinhalte auch, dass während der Arbeit eine Maske getragen werden müsse.

Ärztin will eigene Praxis eröffnen

Die Ärztin und die Praxis seien «freundschaftlich und einvernehmlich auseinandergegangen», sagt der Praxisleiter. Die betroffene Ärztin habe Weisungen und Instruktionen nicht befolgt und das auch eingesehen. Der leitende Arzt hält fest: «Es handelte sich dabei nicht nur um das einmalige Nicht-Tragen einer Schutzmaske.» Anschliessend habe man in einer gemeinsamen Aussprache entschieden, dass es für alle Beteiligten das Beste wäre, wenn die Ärztin eine andere Stelle antreten würden.

Von «freundschaftlich und einvernehmlich» kann aus Sicht der Ärztin allerdings keine Rede sein. «Es war eine schwierige und unfaire Situation», sagt S. Wie es für sie nun weitergeht, ist noch unklar. Ihr oberstes Ziel sei es, ihre Patienten weiterhin betreuen zu können: «Viele von ihnen sind mitten in einer Behandlung. Nun klingelt jeden Tag mein Telefon und Patienten erkundigen sich, was passiert sei.» Deshalb will S. nun eine eigene Praxis eröffnen.

*Name der Redaktion bekannt

Covid-19 in der Schweiz

Zürich weitet Maskenpflicht aus

Ab Donnerstag gilt in der Stadt Zürich eine ausgeweitete Maskenpflicht: In allen öffentlich zugänglichen Bereichen der Stadtverwaltung mit regelmässigem Personenverkehr sowie in von der Stadt selbst betriebenen Museen gilt neu eine Maskenpflicht. In den Räumen von städtischen Volksschulen gilt ab sofort für alle Erwachsenen ebenfalls eine Maskenpflicht – im Unterricht nur, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. In städtischen Gesundheitsinstitutionen mit vulnerablen Patienten oder Bewohnern gilt für alle Mitarbeitenden eine Maskenpflicht am Arbeitsort. «Wir müssen verhindern, dass Zürich zu einem Corona-Hotspot wird», begründet FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger die verschärften Massnahmen. Die Infektionsrate in der Stadt sei hoch, es drohe ein weiterer Anstieg.

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1048 Kommentare
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Ilona

09.09.2020, 22:58

Wie viele positiv getesteten Menschen brauchen eine Behandlung im Spital?

UndTschüss

09.09.2020, 22:39

Hätte mein Arzt keine Maske, dann würde ich rückwärts wieder verduften.

mmo

09.09.2020, 21:33

Eine Frage: Was bringt die Maske wenn die Zahle "steigt"?