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«Sie sollten sich schämen»AfD provoziert mit Gedenkminute für Susanna

Die AfD hielt im deutschen Bundestag eine Schweigeminute für die getötete Susanna. Die Partei instrumentalisiere den Mord am Mädchen, sagen Kritiker.

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hvw
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Ali B. hat den Mord an der 14-jährigen Susanna F. gestanden: Sicherheitskräfte bringen den Iraker zu einem Helikopter, mit dem er ins Gefängnis geflogen wird. (10. Juni 2018)

Ali B. hat den Mord an der 14-jährigen Susanna F. gestanden: Sicherheitskräfte bringen den Iraker zu einem Helikopter, mit dem er ins Gefängnis geflogen wird. (10. Juni 2018)

AFP/Hasan Bratic
Mit diesen Fotos suchte die Polizei nach dem Iraker.

Mit diesen Fotos suchte die Polizei nach dem Iraker.

Boris Roessler
Er hatte sich zuvor in den Irak abgesetzt.

Er hatte sich zuvor in den Irak abgesetzt.

Boris Roessler

Die 14-jährige Susanna ist Wiesbaden ermordet worden. Ihre Leiche war am Mittwoch im deutschen Wiesbaden gefunden worden.

Nach der ersten Erschütterung und Trauer geht es zunehmend um die Aufarbeitung der Tat – kriminalistisch und politisch. Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (Afd) nahm das Verbrechen zum Anlass, um im Bundestag eine Schweigeminute einzulegen.

Der Afd-Abgeordnete Thomas Seitz startete am Freitagmorgen nicht wie vorgesehen mit der Geschäftsordnung, sondern stand schweigend am Rednerpult, wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet. Zum «Gedenken an die in Wiesbaden tot aufgefundene Susanna», sagte Seitz demnach im Parlament.

Mordfall Susanna F.

(Tamedia/AFP)

Andere Parteien reagierten mit scharfer Kritik. Carsten Schneider von der SPD warf Seitz vor, den tragischen Tod des Mädchens politisch zu instrumentalisieren. Noch deutlicher wurde laut der Zeitung Grünen-Politikerin Britta Hasselmann: «Sie sollten sich schämen.»

Mutmasslicher Täter gefasst

Susanna war vor zwei Wochen verschwunden – ihre Leiche war am Mittwoch in einem Erdloch bei Wiesbaden (D) gefunden worden. Der irakische Verdächtige Ali B. ist nach Aussagen der Staatsanwaltschaft vermutlich am vergangenen Donnerstag mit seiner gesamten Familie überhastet abgereist. Nun wurde er im Irak gefasst, wie Innenminister Horst Seehofer am Freitagnachmittag bekannt gab.

Der 20-Jährige war bereits mehrfach polizeilich aufgefallen. Er war auch mit der Vergewaltigung eines Kindes in Verbindung gebracht worden.

Die Schülerin Susanna war nach ersten Angaben der Ermittler durch eine «Gewalteinwirkung» auf den Hals zu Tode gekommen. Ob sie erwürgt oder erdrosselt wurde, blieb zunächst unklar. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Mädchen ermordet wurde, um eine Vergewaltigung zu vertuschen.

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