Bestätigt: Affäre Gaddafi: Merz in Tripolis
Aktualisiert

BestätigtAffäre Gaddafi: Merz in Tripolis

Der Schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz ist zu Gesprächen in die libysche Hauptstadt Tripolis gereist. Die libysche Regierung erwartet von ihm offenbar weiterhin eine Entschuldigung für die Verhaftung eines Sohnes von Staatschef Muammar al-Gaddafi in Genf.

Merz habe sich in der libyschen Hauptstadt mit Premierminister Al- Baghdadi Ali al-Mahmoudi und Aussenminister Moussa Koussa getroffen, schreibt die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf offizielle Quellen in Tripolis.

«Die Verhandlungen laufen gut und wir erwarten, dass der Schweizer (Bundes-)Präsident für die Verhaftung von Hannibal Gaddafi eine Entschuldigung vorlegt», sagte eine libysche Regierungsquelle der Nachrichtenagentur Reuters.

Delphine Jaccard, Sprecherin der Eidg. Finanzdepartements (EFD), bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA die Reise von Merz nach Tripolis. Sie äusserte sich jedoch nicht zum Inhalt der Gespräche.

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) unterstütze Bundespräsident Merz bei seinen laufenden Bemühungen und sei in der Delegation vertreten, die sich derzeit in Tripolis aufhalte, sagte EDA-Informationschef Lars Knuchel. «Das EDA hofft, dass die beiden festgehaltenen Schweizer Bürger sehr bald Libyen verlassen und in die Schweiz zurückreisen können», sagte Knuchel.

Die Behörden wollten erst zu einem späteren Zeitpunkt über Details des Besuchs informieren. Die Schweiz hat es bislang stets abgelehnt, sich für die Ereignisse vom Juli 2008 zu entschuldigen.

Sanktionen gegen die Schweiz

Die Beziehungen beider Länder sind in der Krise, seit die Genfer Polizei Hannibal Gaddafi und dessen damals hochschwangere Ehefrau Aline in einem Luxushotel vorübergehend festgenommen hatten. Das libysche Regime ist der Ansicht, dass die Genfer Polizei widerrechtlich gehandelt hat und die Schweiz für die erniedrigende Behandlung das Gaddafi-Sohnes Genugtuung leisten müsse.

Libyen reagierte mit einer Reihe von Retorsionsmassnahmen, darunter einem Boykott der Öllieferungen und dem Abzug von Vermögenswerten aus der Schweiz. Der Handel zwischen den beiden Ländern ist eingebrochen. Zwei Schweizer Geschäftsleute sitzen zudem seit einem Jahr mit einer Ausreisesperre in Tripolis fest. (sda)

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