Traumdeutung: Affen sind ein Symbol für den eigenen Körper
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TraumdeutungAffen sind ein Symbol für den eigenen Körper

Traumdeuter Remo Roth beschäftigte sich mit Träumen der 20-Minuten-Leser. Der Tiefenpsychologe erklärt, was ein leuchtender Affe in Leser Emilios Traum zu suchen hat.

von
Eva Kamber
Leser Emilio B. träumte von einem blauen Affen.

Leser Emilio B. träumte von einem blauen Affen.

Remo F. Roth befasst sich als Traumdeuter mit den nächtlichen Gedanken der Menschen und versucht zu klären, was die fantastischen Bilder den Träumenden sagen möchten. Mit seiner Hilfe haben wir Leser gesucht, die bereit waren, auf unserer Redaktion vorbeizukommen und ihre Träume deuten zu lassen. Finden Sie heraus, was Leser Emilio B. in der Nacht in Südamerika sucht und weshalb er mit leuchtenden Affen sprechen kann.

«Dass das Symbol des blauen Affen tatsächlich existiert, hat mich geschockt»

Leser Emilio B. erlebt in der Nacht wenig lebensnahe Geschichten. Seine Träume sind voll von fantastischen Bildern:

«Ich befinde mich im Dschungel in Südamerika. Ich sehe mir dort Affen an. Ein Affe hat es mir dabei besonders angetan. Er leuchtet hellblau. Ich frage ihn, was für eine Art Affe er sei. Darauf nimmt er eine Tafel vor sich hin und stellt mir die Gegenfrage: ‹Und du? Was bist du für eine Art Mensch?› Plötzlich erscheint ein Bild auf seiner Tafel. Darauf ist ein kleiner Indiojunge mit halblangen Haaren zu sehen. Darunter sind Zeichen angebracht: Instinktiv verstehe ich, dass es ‹Divino› heisst. Das spanische Wort für ‹göttlich›.»

«Dies ist ein sogenannter archetypscher oder grosser Traum aus dem kollektiven Unbewussten», erklärt Roth. Um diese Geschichten und Bilder vollständig deuten zu können, müsste der Träumende sich in eine Halbtrance begeben, um darin den Traum weiterzuträumen, führt der Traumdeuter aus. Obschon dies in der 20-Minuten-Redaktion nicht möglich ist, wollten wir dennoch über den hellblauen Affen sprechen.

Eine Herausforderung für den Traumdeuter

«Das ist kein alltäglicher Traum. Dieser kommt aus den tiefsten Tiefen des Unbewussten und entsprechend schwierig ist es, hier in einem kurzen Gespräch etwas zu deuten. Sie haben mich hier vor eine schwierige Aufgabe gestellt», bekennt Roth. Da jeder Traum individuelle Symbole verwendet, die mit dem Träumer stark verbunden sind, stellt Roth zu Beginn einige Fragen zu den Lebensumständen Emilios: Seine Mutter sei Südamerikanerin und er selber habe bis zum zehnten Lebensjahr in Ecuador gelebt, erklärt er. Emilio konkretisiert: «Nachdem ich diesen Traum hatte, recherchierte ich im Internet. Dass dieser blaue Affe tatsächlich als Maya-Symbol existiert, hat mich etwas geschockt. Immerhin habe ich von diesem blauen Affen, oder auch ‹göttliches Kind› genannt, geträumt, ohne davor jemals von ihm gehört zu haben.»

«Womit sie es hier zu tun hatten, nennt C.G. Jung das ‹kollektive Unbewusste›», klärt Roth auf. Unser Unterbewusstsein habe durchaus auch ein Wissen, man erinnere sich an den Chemiker «August Kekulé». Das Symbol des Affen stehe in Träumen häufig für den eigenen Körper. Dass der Affe blau war, weise darauf hin, dass es nicht nur um den Körper an sich geht, sondern auch um einen veränderten Bewusstseinszustand, indem der Körper anders erlebt werde, eben beispielsweise als blauer Affe.

Roth konkretisiert: «Ihr unbewusstes Wissen von diesem ‹göttlichen, inneren Kind› kann damit zu tun haben, dass ihre Mutter aus einer Kultur kommt, die sich stark mit der ‹anderen Welt›, oder eben diesem ‹göttlichen, inneren Kind›, dem blauen Affen, beschäftigt. Das göttliche Kind kann man am besten als einen veränderten Bewusstseinszustand oder eine Halbtrance beschreiben, der in diesen Kulturen häufig auf natürliche Art und Weise angestrebt wird, um mit der zu kommunizieren. In unserer Kultur versuchen Menschen solche Zustände mithilfe von Drogen zu erreichen, beispielsweise mit LSD. Dies ist sehr gefährlich und kann in eine Psychose führen.»

«Beschäftigen Sie sich mit Ihren Wurzeln»

Roth erkundigt sich bei Emilio, ob er sich mit der Kultur der Mayas schon mal auseinandergesetzt habe. «Nein, nicht wirklich. Soweit ich weiss, auch meine Eltern nicht genauer.»

«Was ich sicher machen würde aufgrund dieses Traums, ist sich intensiv mit der Maya-Kultur und der Kultur Ihrer Mutter zu beschäftigen. Denn der Traum spricht die Wurzeln Ihrer Mutter und somit Ihre Wurzeln an», rät der Tiefenpsychologe. Der Traum spreche auch von einem nicht abgeschlossenen Selbstfindungsprozess. Die Frage des blauen Affen der Maya-Kultur, «Was bist du für ein Mensch?», weise darauf hin, dass der Träumende herausfinden sollte, wer er ist und mit was er sich identifiziere.

Leser Emilio B. bestätigt, dass er ein sehr kreativer Mensch sei, der aber im Treuhand arbeite und dass er auch kulturell etwas gespalten sei. «Vielleicht sollte ich mich tatsächlich häufiger kreativ betätigen und mich mehr mit der Kultur meiner Mutter beschäftigen,» schliesst er ab.

Haben auch Sie schon von Objekten und Situationen geträumt, die Ihnen zuvor nicht bekannt waren? Teilen Sie Ihre nächtlichen Erfahrungen im Kommentarfeld.

Dr. Remo F. Roth, 1943 geboren, fand nach einer schweren Krankheit zum Heilerberuf. Zwischen 1975 und 1981 liess er sich zum Psychotherapeuten ausbilden. Dabei wurde er von der Jung-Mitarbeiterin Marie-Louise von Franz in die Techniken der Traumdeutung eingeführt. Neben der von ihm selbst entwickelten Methode der Symptom-Symbol-Transformation verwendet Roth in seiner Heilertätigkeit daher auch die Traumdeutung, und zwar nach der vom Schweizer Tiefenpsychologen C.G. Jung eingeführten Art und Weise.

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