Aktualisiert 13.11.2007 14:22

Affenterror in Neu Delhi: Vize-Bürgermeister getötet

Wildgewordene Affen terrorisieren Indiens Hauptstadt: Gerade erst stürzte der Vize-Bürgermeister von Neu Delhi im Kampf mit den marodierenden Plagegeistern in den Tod, schon sind diese auf neues Unheil aus.

Als eine Affenbande am Wochenende in einem Wohnviertel im Osten der Hauptstadt wütete, wurde eine Frau schwer verletzt. Bei zwei Dutzend weiteren Personen musste Erste Hilfe geleistet werden.

Das Chaos sei von nur drei oder vier Affen angerichtet worden, sagte Polizeisprecher Jaspal Singh der Nachrichtenagentur AFP. Die Polizei selbst habe leider gar keine Erfahrung mit Affen: «Wir werden mit wildgewordenen Bullen fertig - aber mit Affen ist das schwieriger.»

Die Rhesus-Makaken terrorisieren die Bewohner Neu Delhis schon seit Langem: Ihre Zahl wird auf zehn- bis zwanzigtausend geschätzt. Immer wieder suchen sie Regierungsbüros, Gerichte, Polizeiwachen und sogar Spitäler heim - ganz zu schweigen von ihren Überfällen auf Wohnviertel.

Sturz in die Tiefe

Ende Oktober wuchs sich die Plage zum handfesten Skandal aus, als Vize-Bürgermeister Sawinder Singh Bajwa ums Leben kam, als er die Affen von seinem Grundstück verjagen wollte. Seine Familie berichtet, er habe zeitunglesend auf dem Balkon gesessen, als vier Affen auftauchten.

Als der 52-Jährige die Makaken mit einem Stock vertreiben wollte, stürzte er über die Balkonbrüstung in die Tiefe und erlitt tödliche Kopfverletzungen.

Für Naseema aus Neu Delhi verlief die Begegnung mit den Affen glimpflicher, doch auch sie ist schockiert: «Ich habe abends gegen 23 Uhr noch an der Haustür geplaudert, als plötzlich ein Affe auftauchte»,sagte sie der «Times of India»: «Als ich reinging, kam der Affe hinterher und biss meinem Baby ins Bein.»

Am Montag wurden aus dem Wohngebiet Shastri Park neue Affen-Attacken gemeldet - sechs Menschen wurden hier gebissen.

Mittel reichen nicht aus

Schon 2001 reichten die Bewohner verschiedener Wohnviertel von Neu Delhi bei Gericht Petitionen ein, um die Stadt «affenfrei» zum machen. Im Mai dann verlangten Abgeordnete Schutz vor den Plagegeistern.

Zu einer Entspannung der Lage führte das nicht: «Wir versuchen sie zu fangen, aber wir haben zu wenig Affenfänger - deshalb können wir nicht mit Vollgas durchstarten», sagt A. K. Singh von der Stadtverwaltung Neu Delhi.

Obendrein gibt es nur ein Budget von zehn Millionen Rupien (rund 285 900 Franken), um die Rhesus-Makaken einzufangen und auf einem alten Minengelände am Rande der Stadt wieder auszusetzen.

Kein Ende in Sicht

Die Nachbarregionen weigern sich inzwischen, die Affen in ihren Wäldern auszusetzen - mit der Begründung, dass die Stadtaffen ihre Artgenossen dort terrorisieren und obendrein in umliegenden Dörfern plündern.

Eine Ende des Affentheaters in Neu Delhi ist also nicht in Sicht. Bürgermeister Aarti Mehra gibt zu, dass die Behörden eine längst verlorene Schlacht kämpfen. «Wir haben weder die Erfahrung noch die Infrastruktur», um der Affenbanden Herr zu werden, sagt er.

Die Affen mit Gewalt verjagen oder gar zu erlegen, steht ohnehin nicht zur Debatte: Gläubige Hindus betrachten sie als Verkörperung des Affengottes Hanuman, der für Stärke steht. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.