Aktualisiert 17.03.2004 12:35

Affenvater sollte an Rücktritt denken

Pongo, der Patriarch der Orang-Utan-Familie Züricher Zoo, ist hochbetagt.

Daran ändert auch eine ebenso späte wie unerwartete Vaterschaft nichts. Es ist Zeit zu überlegen, wie seine Nachfolge geregelt werden soll.

Behäbig hockt er zuoberst in den Ästen. Riesige Backenwülste - Symbol seiner Bedeutung - umrahmen sein Gesicht, aus dem wache Äuglein aufmerksam die Familie überwachen. Pongo ist der Patriarch und der ruhende Pol in der Orang-Utan-Familie im Zoo Zürich. Wo immer Streit ausbricht - Pongo ist zur Stelle und schlichtet ihn mit seiner blossen Anwesenheit.

Zähne hat der Alte nicht mehr viele - das Essen muss ihm klein gehackt werden. Pongo ist 43 und damit hochbetagt, wie Zoo-Direktor Alex Rübel am Mittwoch vor den Medien ausführte: Orang Utans haben eine Lebenserwartung von 40 bis 45 Jahren.

Vater und Grossvater

Nun ist Pongo vor gut vier Monaten spät und völlig unerwartet nochmals Vater geworden; und gleichzeitig Grossvater, ist doch die Mutter des kleinen Dahulu Pongos zehnjährige Tochter. Das ist laut Rübel an sich nicht erwünscht, mag aber für einmal hingehen. Es dürfte das letzte Mal sein, dass Pongo Nachwuchs zeugte.

Es ist also höchste Zeit, an die Nachfolge zu denken, sagt Rübel. Ein neues Männchen müsste von aussen stammen, jung genug in die Gruppe kommen, um noch akzeptiert zu werden, aber auch fähig sein, die Familie zu leiten, wenn Pongo stirbt.

Orang-Kultur

Die zehn Mitglieder der Zürcher Familie der «Waldmenschen» führen ein tätiges Leben. Ständig haben sie zu tun mit den verschiedensten Einrichtungen, welche bei richtiger Manipulation Nüsschen oder andere Häppchen freigeben, bauen sich Nester aus Holzwolle, spielen und hangeln an Ästen und am Gehege umher.

Dass Orang Utans - wie Schimpansen - eigentliche Kulturen haben, ist erst seit rund einem Jahr bekannt. Einzelne Verhaltensweisen unterscheiden sich von Gruppe zu Gruppe stark. Das sei umso erstaunlicher, da der Orang Utan ein ausgesprochener Einzelgänger ist.

Die neue Erkenntnis der Forschenden stürzt die bisherige Annahme um, dass das Phänomen «Kultur» vor rund sieben Millionen Jahren entstanden sei, bei den gemeinsamen Ahnen von Mensch und Schimpanse. Aufgrund neuer Beobachtungen müssten die Ursprünge von «Kultur» doppelt so lange - 14 Millionen Jahre - zurückliegen, als auch der Orang Utan noch zum gemeinsamen Stamm gehörte.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.