Heute kommt Nürnberg: Affolter mit Bremen noch ungeschlagen

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Heute kommt NürnbergAffolter mit Bremen noch ungeschlagen

Am Freitagnachmittag absolvierte Werder vor der heutigen Partie gegen den 1. FC Nürnberg das Abschlusstraining. Rund 100 Zuschauer haben bei strömendem Regen den Stars auf die Füsse geschaut.

von
Eva Tedesco
Bremen
Die YB-Leihgabe François Affolter vor dem Dom in Bremen. Der Nati-Verteidiger hat bei Werder Bremen einen Vertrag bis Dezember 2012. (Foto: Eva Tedesco)

Die YB-Leihgabe François Affolter vor dem Dom in Bremen. Der Nati-Verteidiger hat bei Werder Bremen einen Vertrag bis Dezember 2012. (Foto: Eva Tedesco)

Es ist eher ungewöhnlich, dass der Cheftrainer die Zaungäste persönlich vom Trainingsgelände scheucht. Und wohl auch, dass er beim Aufhängen der Tore am Ende einer Trainingseinheit zupackt. Nicht so Werder-Trainer Thomas Schaaf. Nach etwas mehr als einer Stunde beendete der Chefcoach am Freitagnachmittag das Training seiner Grün-Weissen, hilft Goalie Timm Wiese das Tor auf den Rollwagen zu packen und hinter die Torlinie zu schieben. Danach bittet er die Kiebitze den Trainingsplatz zu verlassen. «Wenn Sie nicht über den Zaun steigen wollen, so Schaaf, dann sollten Sie jetzt alle gehen», sagt es und rasselt mit einem dicken Schlüsselbund.

Der 3:1-Sieg vor Wochenfrist gegen den HSV nach vier Remis in Folge hat Laune gemacht. In der Rückrunde ist Werder immer noch ungeschlagen und diese Mini-Serie will die Schaaf-Elf auch heute gegen Nürnberg fortsetzen. Seine Spieler kämen «dem Fussball näher, den wir spielen wollen», sagt Schaaf. Seine Mannschaft habe gut kombiniert und sei in der Defensive sehr kompakt gestanden. Aber keiner sagt, dass man Nürnberg trotz positiver Bilanz auf die lockere Schulter nehmen werde. Denn die Zahlen zeigen - so souverän ist diese Bilanz nicht.

Werder tat sich im Hinspiel schwer

Sieben der letzten acht Spiele gegen den Club hat Werder gewonnen. Die letzte Niederlage (2:3) datiert zwar vom Oktober 2010, aber das Hinspiel in der aktuellen Saison lässt die Alarmglocken bei Schaaf schrillen. Mit nur 28 Prozent Ballbesitz hat Bremen den tiefsten Wert seit Beginn der Datenerfassung in der Saison 2004/05 ausgewiesen. Gleiches gilt auch für die zwei Torschüsse Werders (bei 22 Nürnberger Versuchen). Ausserdem traf der FCN in seiner Bundesliga-Geschichte gegen keinen Gegner so häufig wie gegen Werder – 79 Tore.

Mit einem riesigen Satz grätscht Affolter in die Aktion vor dem Tor von Timm Wiese. Der Schlussmann von Team «Grün» pariert locker. So einfach wie im Training wird es nicht, davon ist der Schweizer Internationale überzeugt. Viel Zeit zum Eingewöhnen hatte die YB-Leihgabe nicht. Bereits drei Tage nach seiner Verpflichtung kam er zu seinem Debüt in der Bundesliga.

Vier Spiele und noch ungeschlagen

Seit Anfang Februar hat er vier Spiele bestritten und ist zum festen Bestandteil der Abwehr-Viererkette geworden. «Das glauben vielleicht die Zuschauer», so Affolter nach dem Training im Park Hotel, wo er derzeit noch untergebracht ist, bis seine Wohnung im März bezugsbereit ist. «Wir müssen von Anfang an Siegeswillen zeigen». Hoppla – reife Ansichten eines Bundesliga-Neulings.

«Man muss immer besorgt sein, dass die jungen Leute nicht überdrehen», hält Schaaf den Ball nach der guten Rückrundenbilanz bewusst flach. Seine im Schnitt 24 Jahre junge Mannschaft müsse erst lernen, das richtige Mass zu finden. Das heisse Nordderby und der erste Sieg nach der Wiederaufnahme der Meisterschaft könnten leicht dazu verleiten, dass seine jungen Spieler nun abheben könnten. Zumal Platz 5 in der Tabelle zusätzlich dazu verleiten könnte, dass man zu sehr auf den vierten Platz schielt.

Platz vier im Visier?

Unmöglich wäre das nicht, denn Bayern muss gegen Schalke ran und der Rückstand könnte am Sonntag weiter schrumpfen. Dafür braucht es aber erst einmal einen Sieg im Weserstadion. Heute gegen Nürnberg. Für Affolter kommt es dann zu einem Wiedersehen mit den Schweizern Timm Klose und Albert Bunjaku bei den Cluberern.

Der Trainingsplatz leert sich. Thomas Schaaf rasselt noch einmal mit seinem Schlüsselbund. Dann schliesst er das Gitter hinter dem letzten Zaungast ab. Die Türöffnung des Weser Stadions übernehmen heute andere für ihn.

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