Aktualisiert 06.02.2008 10:52

Afghanistan dominiert den Drogenmarkt

Der weltgrösste Heroinproduzent Afghanistan ist inzwischen nach einem Bericht der Vereinten Nationen auch der wichtigste Lieferant von Cannabis geworden.

2007 sei auf rund 70 000 Hektaren Fläche Cannabis angebaut worden, aus dem Haschisch gewonnen wird, heisst es in dem am Mittwoch in Tokio vorgestellten Winterbericht des UNO-Büros für Drogen und Kriminalität (UNODC) zu Afghanistan.

Während die Produktion des Heroin-Grundstoffs Opium im Vergleich zum Rekordjahr 2007 voraussichtlich leicht zurückgehen werde, steige die Cannabis-Produktion. In den untersuchten Gebieten sei eine Steigerung von 13 auf 18 Prozent zu erwarten. Die Cannabis-Studie basiert auf Umfragen in 469 Dörfern.

Die Opium-Produktion werde auch 2008 «erschreckend hoch» sein, sagte UNDOC-Leiter Antonio Maria Costa. Aus Afghanistan kommen mehr als 90 Prozent des weltweiten Opiums.

Haupteinnahmequelle der Taliban

Drogenanbau und Drogenhandel sind eine Haupteinnahmequelle der Taliban. Nach Angaben von Costa verdienen die radikalislamischen Rebellen bis zu 100 Millionen Dollar allein aus «Steuern», die sie von den Opiumbauern erheben.

Weitere Einnahmequellen seien Abgaben von Heroin-Labors und der Drogenexport. Auch Stammesführer und korrupte staatliche Sicherheitsbeamte seien beteiligt.

Die grösste Steigerung der Opium-Produktion sei im umkämpften Süden des Landes zu verzeichnen, wo die Taliban wieder erstarkt sind und die Regierung in Kabul wenig oder keinen Einfluss habe. Auf die höchsten Zuwachsraten kam laut UNO die südwestliche Grenz-Provinz Nimros, die an den Iran und Pakistan grenzt. Die Region gilt als eine Hochburg des Drogenhandels.

Opium-Rekordjahr 2007

Das vergangene Jahr war mit 8200 Tonnen nach UNO-Angaben das Rekordjahr beim Opiumanbbau in Afghanistan. Das entsprach den Angaben zufolge einem Plus von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwar sei 2008 eine Verkleinerung der Gesamtanbaufläche um etwa tausend Hektar zu erwarten, dennoch sei das Anbaugebiet noch rund 192 000 Hektar gross.

Wie hoch die Jahres-Produktion ausfalle, hänge vom Erfolg bei der Zerstörung der Pflanzungen und dem Angebot von Alternativen für Opium-Bauern ab, hiess es in dem UNO-Bericht weiter.

In diesem Jahr sollten rund 50 000 Hektar Drogen-Anbaufläche zerstört werden, kündigte Polizei-Chef Mohammad Sarfar an. Eine Informationskampagne des Ministeriums für Drogenbekämpfung sei im Gange.

Die Drogenbarone im Land böten den verarmten Bauern bislang grössere Unterstützung als die Regierung in Kabul, erklärte UNODC-Vertreterin Christina Oguz in einer weiteren Erklärung. Mit schnellen Krediten als Gegenleistung für die Verpflichtung, Opium anzubauen, machten sie die Bauern abhängig. Zudem stellten sie billige Samen und Dünger zur Verfügung.

(sda)

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