Aktualisiert 06.02.2008 20:19

Afghanistan ist keine Friedensmission sondern Krieg

Der Einsatz in Afghanistan stellt die NATO nach Worten von US-Aussenministerin Condoleeza Rice auf eine harte Bewährungsprobe.

Die Bevölkerung im Westen müsse dabei verstehen, dass der Einsatz keine Mission von Friedenstruppen sei, sondern ein langfristiger Kampf gegen Extremisten, sagte Rice am Mittwoch nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Gordon Brown in London. Der Kampf gegen die Taliban werde lang und schwierig sein.

In der Debatte über den ISAF-Einsatz in Afghanistan forderte Brown eine «faire Verteilung der Lasten». Vor dem Unterhaus in London kündigte Brown an, er werde seine kontinentaleuropäischen Verbündeten auf dem NATO-Gipfel in Bukarest im April um mehr Soldaten für die Afghanistan-Schutztruppe ISAF bitten. «Was wir wollen, ist eine Entschlossenheit aller unserer Verbündeten, für eine faire Verteilung der Lasten in Afghanistan zu sorgen», sagte der britische Premierminister. Dabei gehe es nicht nur um Soldaten, sondern auch um Hubschrauber und andere Ausrüstung. Die 7.700 britischen ISAF-Soldaten sind im besonders gefährlichen Süden Afghanistans stationiert.

US-Verteidigungsminister Robert Gates erklärte unterdessen in Washington, dass auch die von den USA bereits geplante Entsendung von etwa 3.200 zusätzlichen Soldaten im Frühjahr nicht ausreichen werde, um in Afghanistan wieder die Oberhand zu gewinnen. Deswegen habe er alle NATO-Verteidigungsminister brieflich dazu aufgefordert, mehr Truppen bereitzustellen. «Ich bin sehr besorgt, dass aus der Allianz ein zweigeteiltes Bündnis wird, in dem manche Partner bereit sind, für den Schutz der Menschen zu kämpfen und zu sterben und andere nicht», sagte Gates während einer Anhörung im Senat.

Gates, der Deutschland zuvor vehement aufgefordert hatte, Soldaten auch in den gefährlicheren Süden Afghanistans zu entsenden, kritisierte kein Land namentlich, lobte jedoch den Einsatz der Soldaten Kanadas, Grossbritanniens, Australiens, Dänemarks und der Niederlande. Washington und London haben die Einsatzbeschränkungen Deutschlands und anderer NATO-Partner auf den ruhigeren Norden Afghanistans wiederholt kritisiert.

Im Frühling sollen 3200 US-Marineinfanteristen als Verstärkung nach Afghanistan geschickt werden. Die USA stellen etwa ein Drittel der 42 000 NATO-Soldaten in Afghanistan und haben zusätzlich noch bis zu 13.000 US-Soldaten im Land, deren Einsätze von der NATO unabhängig sind. (dapd)

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