Friedensgespräche: Afghanistan spricht mit Taliban
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FriedensgesprächeAfghanistan spricht mit Taliban

Die afghanische Regierung und die Taliban intensivieren offenbar ihre Gespräche. Erstmals soll auch die Extremistenorganisation Quetta Shura teilgenommen haben.

von
kri
Der afghanische Präsident Hamid Karazi im Gespräch mit dem pakistanischen Premierminister Yousuf Raza Gilani im September 2010.

Der afghanische Präsident Hamid Karazi im Gespräch mit dem pakistanischen Premierminister Yousuf Raza Gilani im September 2010.

Die Taliban sollen mit der afghanischen Regierung geheime Friedensgespräche aufgenommen haben. Das berichtete die «Washington Post» in der Nacht zum Mittwoch auf ihrer Website. Afghanischen und arabischen Gewährsmännern zufolge werden die Verhandlungen erstmals mit Vertretern der Quetta Shura geführt. Sie seien umfassend befugt, im Namen des Quetta-Shura-Führers Mullah Mohammed Omar zu sprechen, hiess es. Die Quetta Shura ist eine Organisation der afghanischen Taliban, die von Pakistan aus operiert.

Omars Gefolgsleute hatten sich Gesprächen zur Beilegung der Gewalt bislang verweigert. Als Vorbedingung für eine Aufnahme der Verhandlungen nannten sie den Abzug aller ausländischen Truppen. Doch die «Washington Post» berichtete unter Berufung auf ihre Quellen, dass die Quetta Shura mit Verhandlungen über eine umfassende Friedensvereinbarung begonnen habe. Diese sieht die Beteiligung von Taliban an der Regierung sowie den Abzug der US- und NATO-Truppen vor. Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte in der Vergangenheit betont, er sei erst zur Aufnahme von Friedensgesprächen mit Aufständischen bereit, wenn diese der Gewalt abgeschworen und ihre terroristischen Verbindungen gekappt hätten und die afghanische Verfassung befolgen würden.

Verhandlungen sind noch im Anfangsstadium

Die «Washington Post» beruft sich in ihrem Bericht auf ein halbes Dutzend Gewährsmänner, die direkt oder am Rande an den Gesprächen beteiligt sind. Die Verhandlungen seien noch im Anfangsstadium, hiess es.

Der NATO-Oberbefehlshaber in Afghanistan, General David Petraeus, hatte vergangene Woche gesagt, Taliban-Führer hätten Kontakt mit der afghanischen Regierungsspitze aufgenommen. Ebenfalls vergangene Woche hatte die afghanische Regierung die Besetzung eines 70-köpfigen Friedensrates bekannt gegeben, der direkte Verhandlungen mit Anführern der Taliban aufnehmen und Aufständische zur Beendigung des Kampfes bewegen soll. Der Hohe Rat werde Gespräche mit den Taliban-Führern aufnehmen, die direkt oder über Umwege Kontakt mit der Regierung gesucht hätten, sagte ein Sprecher des afghanischen Präsidenten am vergangenen Dienstag.

Am Dienstag war zudem über ein Treffen zwischen hochrangigen Vertretern der Regierungen Afghanistans und Pakistans sowie der Taliban berichtet worden. Mullah Zaeef, der ehemalige Taliban-Botschafter in Pakistan, Mirwais Yasini, der Vizesprecher des afghanischen Parlaments, Hikmat Karzai, ein Cousin des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, sowie der frühere Innenminister und amerikanisch-afghanische Doppelbürger Ali Ahmed Dschalali waren unter den Teilnehmern. (kri/dapd)

Zweiter Tag der Anschlagsserie in Kandahar

Bei einer Serie von Anschlägen in der südafghanischen Stadt Kandahar sind neun Menschen getötet und 26 weitere verletzt worden. Behördenangaben zufolge kamen am Dienstag bei einer Autobombe und einer weiteren, kleineren Explosion neun Menschen ums Leben, darunter ein afghanischer Polizist. Mehrere Polizeibeamte wurden verletzt. Zuvor waren in der Nacht zum Dienstag bei drei Bombenexplosionen drei afghanische Polizisten in Kandahar getötet worden. Die Sprengsätze waren im Abstand weniger Minuten gezündet worden.

Der stellvertretende Bürgermeister von Kandahar, Noor Ahman, war am Montag bei einem Attentat durch Aufständische getötet worden, später wurde ein ehemaliger Bezirkschef von Arghistan von Bewaffneten beim Beten in einer Moschee erschossen. Die NATO beschrieb die beiden Opfer als Beamte, die das Leben ihrer Landsleute verbessern wollten. (AP)

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