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Krise in AfghanistanFlüchtete Afghanistans Präsident Ghani mit 169 Millionen nach Abu Dhabi?

Der frühere afghanische Präsident Ashraf Ghani befindet sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ghani hatte am Sonntag Afghanistan verlassen – offenbar mit viel Geld.

von
Karin Leuthold
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Seit dem 15. August 2021 befindet sich Afghanistans Präsident Ashraf Ghani ausser Landes. Am 18. August bestätigte das Aussenministerium der Vereinigten Arabischen Emiraten, dass sich Ghani dort befinde.

Seit dem 15. August 2021 befindet sich Afghanistans Präsident Ashraf Ghani ausser Landes. Am 18. August bestätigte das Aussenministerium der Vereinigten Arabischen Emiraten, dass sich Ghani dort befinde.

AFP
Ghani war mit seiner Familie angesichts des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban geflüchtet.

Ghani war mit seiner Familie angesichts des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban geflüchtet.

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Laut dem afghanischen Botschafter in Tadschikistan reiste er mit 169 Millionen Dollar im Gepäck ab.

Laut dem afghanischen Botschafter in Tadschikistan reiste er mit 169 Millionen Dollar im Gepäck ab.

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Darum gehts

  • Der frühere afghanische Präsident Ashraf Ghani befindet sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

  • Das bestätigte am Mittwoch das dortige Aussenministerium.

  • Angesichts des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban hatte Ghani am Sonntag Afghanistan verlassen.

Der aus Afghanistan geflüchtete Präsident Aschraf Ghani ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) aufgenommen worden. Das Aussenministerium des Golfstaats bestätigte am Mittwoch, dass das Land ihn und seine Familie «aus humanitären Gründen» aufgenommen habe. Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach Ghani in der Hauptstadt Abu Dhabi gesichtet worden sein soll.

Der bisherige Vizepräsident Afghanistans, Amrullah Saleh, hatte sich am Dienstag bei Twitter zum Übergangspräsidenten seines Landes erklärt und auf die Verfassung verwiesen. De facto haben aber die Taliban in Afghanistan die Macht übernommen.

Wie BBC-Journalist Kawoon Khamoosh auf Twitter schreibt, soll Ex-Präsident Ghani bei seiner Flucht aus Afghanistan 169 Millionen US-Dollar ausser Landes gebracht haben. Der Journalist verweist dabei auf den afghanischen Botschafter in Tadschikistan.

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Der erste westliche Staat, der sich in der Neuzeit in Afghanistan engagierte, war das Britische Empire im 19. Jahrhundert. Dies in direkter Konkurrenz zum Russischen Reich. Die Russen wollten ihr Herrschaftsgebiet bis zum Indischen Ozean ausdehnen, um einen eisfreien Marinehafen zu errichten. Das bedrohte die Herrschaft der Briten in Südasien. (Bild: Britische Truppen nehmen 1839 die Festung in der Schlacht von Ghazni ein.)

Der erste westliche Staat, der sich in der Neuzeit in Afghanistan engagierte, war das Britische Empire im 19. Jahrhundert. Dies in direkter Konkurrenz zum Russischen Reich. Die Russen wollten ihr Herrschaftsgebiet bis zum Indischen Ozean ausdehnen, um einen eisfreien Marinehafen zu errichten. Das bedrohte die Herrschaft der Briten in Südasien. (Bild: Britische Truppen nehmen 1839 die Festung in der Schlacht von Ghazni ein.)

PD
Um seine Vormachtstellung im zentralasiatischen Raum abzusichern, unternahm das britische Empire ab 1839 einen ersten Versuch, Afghanistan zu erobern. Im Ersten Anglo-Afghanischen Krieg gelang es der gut ausgerüsteten Armee schnell, das Land einzunehmen. Doch bereits 1842 mussten sich die Briten nach einem Aufstand der Bevölkerung wieder aus Afghanistan zurückziehen. (Bild: Die britische Armee überschreitet den Bolan-Pass).

Um seine Vormachtstellung im zentralasiatischen Raum abzusichern, unternahm das britische Empire ab 1839 einen ersten Versuch, Afghanistan zu erobern. Im Ersten Anglo-Afghanischen Krieg gelang es der gut ausgerüsteten Armee schnell, das Land einzunehmen. Doch bereits 1842 mussten sich die Briten nach einem Aufstand der Bevölkerung wieder aus Afghanistan zurückziehen. (Bild: Die britische Armee überschreitet den Bolan-Pass).

PD
Mitte des 19. Jahrhunderts unterwarf das Russische Reich weitere Gebiete in Zentralasien und gründete das Generalgouvernement Turkestan in unmittelbarer Nachbarschaft zu Afghanistan. 1878 gewann Russland mit der Einrichtung einer Gesandtschaft in Kabul an Einfluss in Afghanistan. (Bild: Der Kampf um Samarkand, heutiges Usbekistan.)

Mitte des 19. Jahrhunderts unterwarf das Russische Reich weitere Gebiete in Zentralasien und gründete das Generalgouvernement Turkestan in unmittelbarer Nachbarschaft zu Afghanistan. 1878 gewann Russland mit der Einrichtung einer Gesandtschaft in Kabul an Einfluss in Afghanistan. (Bild: Der Kampf um Samarkand, heutiges Usbekistan.)

PD

Afghanen werfen Ghani die Zerstörung des Landes vor

Ghani hatte das Land angesichts des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban am Sonntag verlassen. Viele Afghanen reagierten wütend und warfen ihm die Zerstörung des Landes vor. Er rechtfertigte seine Flucht damit, dass andernfalls zahlreiche Landsleute den Märtyrertod erlitten hätten und die Hauptstadt Kabul zerstört worden wäre.

Die Taliban hätten in der Vergangenheit erklärt, dass sie bereit seien, blutige Angriffe in Kabul zu verüben, um ihn von der Macht zu vertreiben. «Ich entschied mich zu gehen, um dieses Blutvergiessen zu verhindern», so Ghani. Lokale Medien hatten zunächst berichtet, er sei nach Tadschikistan geflogen.

In Afghanistan herrscht seit 200 Jahren ein nie endender Krieg. 1839 marschierte das britische Empire als erste Weltmacht der Neuzeit in Afghanistan ein und versuchte, das Gebiet unter seine Herrschaft zu bringen. Es scheiterte genauso wie später die Sowjetunion und die USA. Wie sich die Lage über die letzten rund 200 Jahre entwickelt hat, erfährst du in der Bildstrecke.

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