Polizei: «Keine Hinweise»: Afroamerikanerin erfand Ku-Klux-Klan-Angriff
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Polizei: «Keine Hinweise»Afroamerikanerin erfand Ku-Klux-Klan-Angriff

Sharmeka Moffitt war mit schweren Verbrennungen aufgefunden worden. Sie behauptete, von drei Männern mit weissen Kapuzen angezündet worden zu sein. Forensiker haben dafür aber keine Hinweise gefunden.

Sie wollte am Wochenende in den Park gehen, um dort zu joggen. Doch dann sei sie von drei Männern mit weissen Kapuzen attackiert worden. Diese hätten sie mit Brennsprit übergossen und angezündet. Das erzählte die schwer verletzte Sharmeka Moffitt der Polizei von Winnsboro, Louisiana.

Drei Tage später haben die Forensiker aber keinerlei Hinweise gefunden, die diese erschütternden Geschichte erhärten würde. Das gab die Polizei jetzt an einer Pressekonferenz bekannt. Vielmehr glauben die Ermittler, dass sich die 20-Jährige selbst angezündet hat.

Ferner gab Moffitt zu Protokoll, dass die drei Angreifer ihren Wagen mit rassistischen Sprüchen und Ku-Klux-Klan-Motiven angemalt hätten. Die Spurensicherung fand zwar Kritzeleien auf Moffitts Wagen – sie waren allerdings mit Zahnpasta aufgemalt. Auch die auf der Motorhaube sichergestellten DNA-Spuren stammten alleine von Moffitt.

Polizeichef: «Sie tut mir leid»

Moffits Zustand – rund 60 Prozent ihres Körpers weisen Verbrennungen auf – hat sich derweil nicht verbessert. Die Polizei konnte die 20-Jährige deswegen nicht weiter befragen. «Wir können ihre Motive nicht nachvollziehen, ohne mit ihr geredet zu haben», sagte der Polizeichef von Winnsboro, Lester Thomas. Das Büro der Staatsanwaltschaft wird nun entscheiden, ob gegen Moffitt Anklage erhoben wird. «Sie tut mir leid», sagte Polizeichef Thomas.

Moffitts Familie hat in der Zwischenzeit eine öffentliche Erklärung abgegeben. Man könne kaum glauben, dass der Fall eine solche Wendung genommen habe. Die Familie entschuldigte sich bei den Behörden, bei Freunden und der Gemeinde von Winnsboro.

Erinnerungen an SVP-Ritzerin Paula O.

Der Fall Sharmeka Moffitt zeigt starke Parallelen zum Fall von Paula O. (27) auf. Die Brasilianerin hatte im Februar 2009 behauptet, am Bahnhof Stettbach in Zürich überfallen worden zu sein. Die Männer hätten ihr mit einem Messer auf Bauch und Beine «SVP» in die Haut geritzt. Die «Beweisfotos» sorgten in der ganzen Schweiz für Entsetzen. Später stellte sich, wie im Fall Moffitt heraus, dass Paula O. weder überfallen noch attackiert worden war. Sie hatte sich die Buchstaben selbst eingeritzt. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte die Brasilianerin wegen Irreführung der Rechtspflege zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 120 Franken. Anschliessend musste sie die Schweiz verlassen.

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