19.06.2015 07:20

NutzungsbedingungenAGB – was haben Sie hier eigentlich akzeptiert?

Ein Journalist machte ein Experiment und las eine Woche lang komplette Nutzungsbedingungen. Das kam dabei heraus.

von
sts
Im Gegensatz zu den AGB von Apple sind die Nutzungsbedingungen von Google leicht zu verstehen.

Im Gegensatz zu den AGB von Apple sind die Nutzungsbedingungen von Google leicht zu verstehen.

Im Internetzeitalter dürfte der Satz «Ja, ich habe die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) gelesen und akzeptiere sie» zu den am häufigsten genutzten Lügen gehören. Das bewies schon der finnische Computersicherheitsexperte Mikko Hyppönen: Er hatte im Juli 2014 im Londoner Finanzviertel einen kostenlosen WiFi-Hotspot angeboten. In den Nutzungsbedingungen für den Gratis-Internetzugang hatte gestanden, dass die User dem Anbieter ihr erstes Kind überlassen müssten. Sechs Leute hatten dem zugestimmt. Ob sie ihre Sprösslinge wirklich loswerden wollten oder die AGB nicht gelesen hatten, ist unklar.

Auch der Journalist Alex Hern widmete sich den AGB. Er beschloss, eine Woche lang die Geschäftsbedingungen von sämtlichen verwendeten Gegenständen und in Anspruch genommenen Diensten zu lesen. Er musste sich während dieser Zeit rund 146'000 Wörter zu Gemüte führen und beschreibt seine Erlebnisse mit dem AGB-Experiment nun im «Guardian».

Apples Texte sind umständlich

«Der erste Tag war erwartungsgemäss der härteste», so Hern. Da er sein iPhone als Wecker nutzt, musste er zwischen Aufstehen und Frühstück erst einmal 21'586 Wörter zu den Nutzungsbedingungen seines Telefons lesen. Auch vor der Nutzung von Apples Internet-Handelsplattform iTunes galt es, sich durch einen gut 20'000 Wörter dichten Text-Dschungel zu kämpfen. Die AGB von Apple seien generell umständlich verfasst und nur schwer zu verstehen, so das Fazit des Briten. Googles Nutzungsbedingungen hingegen seien mit 5500 Wörtern deutlich kürzer und zudem verständlicher.

Positiv aufgefallen sind Hern daneben auch Netflix und Buzzfeed. Bei Ersterem wird der User vor dem Lesen der Nutzungsbedingungen freundlich mit «Willkommen bei Netflix» begrüsst, während es bei Buzzfeed mit 3788 Wörtern vergleichsweise weniger zu lesen gab als bei anderen Unternehmen. Weil er die Nase voll hatte von der Buchstabenflut, verzichtete der Journalist am dritten Tag des Experimentes sogar darauf, das Game «Destiny» zu spielen.

«Hoffentlich überschreiben Sie niemandem Ihr Kind»

Hern rät: «Verzichten Sie auch weiterhin darauf, AGB zu lesen, und überlassen Sie dies jemandem mit mehr Zeit, einer juristischen Ausbildung oder einer Vorliebe für lange Texte. Ansonsten können Sie nur noch hoffen, nicht aus Versehen einer Firma Ihr Erstgeborenes zu überschreiben.»

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