Gamer-Studie zeigt: Aggressive Kinder spielen oft Gewaltspiele

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Gamer-Studie zeigtAggressive Kinder spielen oft Gewaltspiele

Streitlustige Kinder greifen eher zu brutalen Games. So der Befund deutscher Psychologen. Allerdings gibt es keine Hinweise, dass umgekehrt Gewaltspiele junge Menschen aggressiv machen.

von
owi

Primarschüler, die durch aggressives Verhalten auffallen, spielen deutlich häufiger brutale Computer- und Videospiele als ihre Schulkameraden. Zu diesem Ergebnis kommen deutsche Forscher. Die Präferenz für Gewaltspiele verfestige sich mit fortschreitendem Alter. «Die meisten Kinder probieren anfangs unterschiedliche Angebote aus und entwickeln erst mit der Zeit eine ausgeprägte Vorliebe für ein Spiel oder ein Spielegenre», wird die Studienleiterin Professorin Maria von Salisch von der Techsite «WinFuture» zitiert.

Es zeige sich, dass der Spielemix aggressiverer Mädchen und Jungen gewalthaltiger als der ihrer Mitschüler ist. «Die weniger aggressiven Klassenkameraden probieren zwar auch gewalthaltige Spiele aus, entwickeln aber seltener eine Präferenz für dieses Genre», sagen die Forscher. Bei aggressiven Kindern bestehe das Risiko, dass sich ihre Vorliebe für brutale Spiele mit der Zeit verfestigt. Die Forscher betonen jedoch, dass der Umkehrschluss nicht gilt. Ihre Studie habe keine Beweise geliefert, dass sich Gewaltspiele auf die Aggressivität der Primarschüler auswirken. Dieser Zusammenhang wird zwar von Gegnern gewalthaltiger Spiele oft geäussert, lässt sich aber wissenschaftlich nicht fundieren.

Forscher geben keine vollständige Entwarnung

Die Entwicklungspsychologin Maria von Salisch möchte keine vollständige Entwarnung geben: «Wir können nicht ausschliessen, dass eine verfestigte Vorliebe für gewalthaltige Bildschirmspiele nicht vielleicht doch im Laufe einer Spielerkarriere zu einer grösseren Gewaltbereitschaft führen kann», sagt sie.

Die vage Formulierung verdeutlicht, dass trotz unzähliger Studien zum Thema Aggression und Gewaltspiele viele Fragen besorgter Eltern offen bleiben. Der aktuelle Befund aus Deutschland, dass aggressive Kinder Gewaltspiele bevorzugen, sagt nichts über einen negativen Einfluss von Gewaltspielen auf Kinder aus. Die Forscher selbst betonen, dass ihre Studie keine Hinweise auf einen solchen Zusammenhang zulässt.

Gemäss dem aktuellen Forschungsstand haben Gewaltspiele auf Jugendliche, die in einem intakten Umfeld leben, kaum einen negativen Einfluss. «Eine generelle Gefährdung Heranwachsender durch den Konsum von Gewaltdarstellungen in Neuen Medien muss aus wissenschaftlicher Sicht als kaum existent angesehen werden.» Zu diesem Schluss kommt der Schweizer Expertenbericht des Bundesamtes für Sozialversicherungen.

Etwas anders sieht dies bei Jugendlichen aus, die bereits gesellschaftliche Probleme haben. Mehrere Studien konnten bei jungen Männern, die oft brutale Games spielen, eine Abstumpfung gegenüber Gewalt und den Folgen für die Opfer ausmachen. Der Mangel an Einfühlungsvermögen und Mitleid muss sich nicht in Gewalt äussern, erschwert aber die zwischenmenschlichen Beziehungen der Betroffenen.

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