Aktualisiert 07.01.2008 22:41

Aggressive Manöver im Persischen Golf: «Das ist für uns todernst»

In der Strasse von Hormus wäre es fast zu einem Schusswechsel zwischen der US-Marine und Schiffen der iranischen Streitkräfte gekommen. Provokation oder «Routinezwischenfall»?

Die Boote der Iranischen Revolutionswächter bedrohten und provozierten die amerikanischen Schiffe am Sonntag in dem strategisch bedeutenden Meeresabschnitt im Persischen Golf, wie das US-Verteidigungsministerium am Montag mitteilte. Erst im allerletzten Moment drehten die Iraner ab. «Das war die bisher schwerwiegendste Provokation dieser Art», hiess es in Washington.

«Das ist für uns todernst», sagte Vizeadmiral Kevin Cosgriff per Videokonferenzschaltung aus Bahrain. «Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass wir in der Region bereits von kleinen Schnellbooten angegriffen wurden», sagte Cosgriff mit Verweis auf einen Anschlag auf die USS Cole, bei dem 17 Marinesoldaten ums Leben kamen. Mit Sprengstoff beladene Schnellboote hatten das Schiff im Hafen von Aden gerammt.

Die fünf Boote der Iraner näherten sich nach US-Angaben den drei Schiffen der amerikanischen Marine bis auf etwa 450 Meter. Sie warfen Pakete in die Fahrrinne der US-Schiffe und zwangen sie so zu bedrohlichen Ausweichmanövern. Dann hätten sich die Schnellboote in zwei Gruppen aufgeteilt und seien an beiden Seiten der US-Schiffe vorbeigefahren. Die amerikanischen Soldaten hätten ausserdem einen Funkspruch abgehört, auf dem die Iraner damit drohten, die Schiffe zu umzingeln und sie anschliessend in die Luft zu sprengen, erklärte Vizeadmiral Cosgriff.

Es habe keine Verletzten gegeben, weil die iranischen Schiffe noch rechtzeitig abgedreht hätten, «in dem Moment, als die US-Streitkräfte sich darauf vorbereiteten, das Feuer zu eröffnen», sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Washington. Ein Sprecher der Weissen Hauses, Tony Fratto, forderte die Iraner auf, solche Provokationen künftig zu unterlassen. «Sie könnten in der Zukunft zu gefährlichen Zwischenfällen führen», sagte er.

Das Aussenministerium in Teheran erklärte jedoch, es habe sich um einen gewöhnlichen Zwischenfall gehandelt. Die iranischen Soldaten hätten sich den US-Schiffen so stark genähert, da sie sie nicht erkannt hatten. Es handele sich um einen Routinezwischenfall, der damit abgeschlossen sei, erklärte das Aussenministerium in Teheran.

Der Zwischenfall ereignete sich am frühen Sonntagmorgen und dauerte etwa 15 bis 20 Minuten, wie das US-Verteidigungsministerium erklärte. Die drei US-Schiffe - ein Kreuzer, ein Zerstörer und eine Fregatte - hätten sich in internationalen Gewässern befunden. Der Abstand und die Geschwindigkeit der iranischen Boote sei «waghalsig, gefährlich - und möglicherweise feindselig gewesen».

Die Strasse von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Die Verbindung ist eine der wichtigsten Seestrassen für den Ölexport nach Westeuropa und in die USA. Im März vergangenen Jahres hatten iranische Soldaten im Persischen Golf 15 britische Marineangehörige gefangengenommen, weil sie angeblich in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen waren. Grossbritannien bestritt dies jedoch. Die Soldaten wurden zwei Wochen später wieder freigelassen.

(dapd)

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