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Höllische HöchstwerteAggressive Pollen quälen sogar Nicht-Allergiker

Die Konzentration der Gräserpollen ist in Deutschland derart hoch, dass auch Menschen ohne Heuschnupfen unter Heuschnupfen-Symptomen leiden.

H... H... Heuschnupfen! Jeder sechste Deutsche leidet unter der Plage. (Symbolbild: Gaetan Bally)

H... H... Heuschnupfen! Jeder sechste Deutsche leidet unter der Plage. (Symbolbild: Gaetan Bally)

Sommerliche Temperaturen, traumhaft schönes Wetter, und trotzdem viele leidende Gesichter: Jeder sechste Deutsche leidet an Heuschnupfen. Die meisten reagieren auf Gräserpollen. Und diese fliegen derzeit in riesigen Mengen: Dem Deutschen Allergie- und Asthmabund zufolge sind vor allem Gräser und Roggen im Juni unterwegs.

Niesattacken, tränende, beißende und geschwollene Augen, juckende Haut oder gar asthmatische Probleme: Die Pollenqualen sind für die Betroffenen sehr unangenehm.

Auch Nicht-Allergikern sind betroffen

Derzeit sei die Pollenbelastung gar so hoch, dass auch Menschen, die keine Allergie haben, auf die Pollen reagieren können. Die Allergieexpertin Sonja Hartmann sagt: «Eiweiße der Pollen können die Augen reizen, auch wenn keine Allergie vorliegt». Dieses Phänomen werde durch die Umweltbelastung noch verstärkt: «Luftschadstoffe können zusätzlich Beschwerden in Augen und Atemwegen verursachen.»

Ob die Pollen selbst aggressiver werden, ist derzeit jedoch schwer zu belegen, sagt Studienarzt Philipp Badorrek. Er testet Allergiemedikamente für das Fraunhofer-Institut. «Feinstaubpartikel, zum Beispiel Dieselrußpartikel setzen sich auf Pollen, dadurch werden sie aggressiver, dazu gibt es Studien», sagt er. «Und natürlich sind die Atemwege bei starker Feinstaubbelastung empfindlicher, als bei klarer Meerluft.»

Ob das wirklich ein Phänomen der jüngsten Jahre ist, hält Badorrek jedoch für fraglich. «In der ehemaligen DDR war die Luft deutlich verschmutzter, dennoch gab es dort weniger Allergien. Das hat sich in zwischen angeglichen.»

Im Juni kaum Besserung – diese Tipps helfen

Eine Verbesserung für Allergiker und andere Pollen-Betroffene ist noch nicht in Sicht: Für die nächsten Tage wird überwiegend schönes, trockenes Wetter prognostiziert. Bis Ende Juni könne die Pollenbelastung durch die blühenden Gräser stark bis sehr stark bleiben.

Zur Linderung von Beschwerden empfiehlt der Deutsche Allergie- und Asthmabund: Stadtbewohner sollten eher in den Morgenstunden lüften, Landbewohner eher am Abend. Dann ist die Pollenkonzentration am geringsten. Wer Urlaub in sauberer Luft machen will, der sollte ans Meer fahren oder auf eine Insel.

Und zur Not Cortison

Auch die Luftfilter im Auto schaffen Linderung. Sie sollten deshalb regelmäßig gewechselt werden. Und die wichtigste Tat vor dem Schlafengehen: Duschen und Haare waschen, dann bleiben die Pollen aus dem Bett.

«Antihistaminika helfen kaum gegen eine verstopfte Nase», sagt Studienarzt Badorrek. «Da hilft aber sehr gut ein Cortisonspray. Cortison hat in Deutschland einen schlechten Ruf, weil es früher in zu hoher Dosis eingesetzt wurde und dann Nebenwirkungen auftraten. Lokal eingesetzt kann es nach einigen Tagen aber sehr helfen.» (20 Minuten)

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