Aktualisiert 26.06.2017 09:51

Beteiligung

Aggressiver Investor setzt Nestlé unter Druck

Der Schweizer Multi Nestlé ist ins Visier des unbequemen Hedgefonds Third Point geraten. Dieser verlangt eine neue Strategie und eine Gewinnmarge von 20 Prozent.

von
S. Spaeth
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US-Miliardär Daniel Loeb hält 1,25 Prozent der Nestlé-Aktien und ist somit achtgrösster Aktionär des Lebensmittelmultis.

US-Miliardär Daniel Loeb hält 1,25 Prozent der Nestlé-Aktien und ist somit achtgrösster Aktionär des Lebensmittelmultis.

Bloomberg
Der Nestlé-CEO Mark Schneider sieht sich mit Forderungen des Hedgefonds konfrontiert.

Der Nestlé-CEO Mark Schneider sieht sich mit Forderungen des Hedgefonds konfrontiert.

Keystone/Laurent Gillieron
Loeb verlangt vom Schweizer Lebensmittelkonzern eine Strategieänderung. So solle er u.a. seine Beteiligung an L'Oréal abstossen.

Loeb verlangt vom Schweizer Lebensmittelkonzern eine Strategieänderung. So solle er u.a. seine Beteiligung an L'Oréal abstossen.

AP/Jacques Brinon

Der US-Hedgefonds Third Point ist dafür bekannt, grossen Einfluss auf das Management von Konzernen zu nehmen. Und das selbst dann, wenn dem Investor nur ein kleiner Teil der Firma gehört. Die Strategie: Third Point versucht, andere Anleger vom eigenen Ziel zu überzeugen und damit den Einfluss zu verstärken. Third Point zählt zu den aktivistischen Investoren, die mitunter aggressiv auftreten.

Nun hat der Hegefonds des 55-jährigen Chefs Daniel Loeb für 3,5 Milliarden Dollar rund 40 Millionen Nestlé-Aktien gekauft, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Damit hält der Fonds rund 1,25 Prozent an Nestlé und ist damit achtgrösster Aktionär des Lebensmittelmultis. Third Point verlangt von Nestlé eine Verbesserung der Gewinnmarge, einen Aktienrückkauf und den Verkauf von nicht zum Kerngeschäft zählenden Geschäftsbereichen.

Nestlé soll L'Oréal-Anteil verkaufen

Nestlé soll nach dem Willen von Loeb seine 23-prozentige Beteiligung an dem französischen Kosmetikkonzern L'Oréal veräussern. Diese Beteiligung ist zurzeit über 26 Milliarden Franken wert. Mit dem Erlös soll Nestlé laut Loeb überwiegend eigene Aktien zurückkaufen. Derzeit gehören zum Nestlé-Imperium neben unzähligen Lebensmittel- und Getränkebrands auch Tierfuttermarken oder Parfüms der Marken Diesel und Ralph Lauren.

Laut den Analysten der Zürcher Kantonalbank drängt Loeb auf ein Margenziel von 18 bis 20 Prozent bis ins Jahr 2020. Zudem sollen Wachstumsbereiche zugekauft werden. Zum Vergleich: Im letzten Jahr lag die Nestlé-Marge bei 15,3 Prozent. ZKB-Analyst Patrik Schwendimann würde das Setzen eines aggressiven Margenziels überraschen, auch wenn das Nestlé leicht erreichen könnte.

Der Lebensmittelmulti könnte das Margen-Ziel durch die Kürzung des Marketing- und Forschungsbudgets erreichen, was aber der langfristig ausgerichteten Nestlé-Strategie widersprechen würde. «Nestlé wird sich nicht unter Druck setzen lassen, wichtige Eckpfeiler der langfristigen Strategie zu verändern. Wenn es einen Nahrungsmittelmulti gibt, der sich kurzfristigem Profitdenken widersetzen kann, dann ist es Nestlé», sagt Schwendimann zu 20 Minuten.

Ist ein solcher Investor unangenehm?

Das heisst laut dem Analysten jedoch nicht, dass Nestlé nichts unternimmt. Bereits 2016 kündigte die Firma ein zusätzliches Kostensenkungsprogramm bis 2020 an und teilte mit, der neue CEO Mark Schneider werde voraussichtlich das Produktportfolio aktiver bewirtschaften, ohne jedoch einen radikalen Umbau vorzunehmen. Schneider hat zuletzt das Süssigkeiten-Geschäft in den USA auf den Prüfstand gestellt.

Ist es für Nestlé unangenehm, einen solchen Investor zu haben? Positiv gesehen ist ein solcher Investor laut Schwendimann ein guter Sparring-Partner. Die unangenehme Seite sei, dass eine Erwartungshaltung geweckt werde. Will heissen: Der Kurs steigt kurzfristig, sinkt dann aber wieder, wenn die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden. Was bleibt, sind enttäuschte Anleger. «Eigentlich besitzt der Hedgefonds mit rund einem Prozent nur einen sehr kleinen Anteil. Und dennoch kann er mit seinen Forderungen einen grossen Wirbel auslösen und Druck aufbauen», so Schwendimann.

Third Point mischt bei Philips mit

US-Milliardär Loeb ist dafür berüchtigt, sich mit dem Management seiner Beteiligungen anzulegen. Zuletzt hatte ein Medienbericht über einen Einstieg von Third Point bei Philips den Aktienkurs des Medizintechnikkonzerns beflügelt. Das gilt auch für Nestlé. Am Vormittag lag die Aktie bei einem Plus von rund 4 Prozent und erreichte ein neues Allzeithoch.

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