Denkpause gefordert: Agrotreibstoffe verschärfen Hunger
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Denkpause gefordertAgrotreibstoffe verschärfen Hunger

Für eine Tankfüllung mit 95 Litern Agrotreibstoff braucht es 200 Kilogramm Mais. Davon könnte sich ein Mensch ein Jahr lang ernähren.

Für Swissaid zeigen diese Zahlen, wie absurd es ist, Lebensmitteln in Ethanol umzuwandeln. Swissaid fordert daher eine Denkpause.

«In Kolumbien werden Bauern von ihrem Land vertrieben, damit Palmölplantagen angelegt werden können», sagte Swissaid- Geschäftsleiterin Caroline Morel am Dienstag bei der Lancierung der Jahreskampagne zum Thema Agrotreibstoffe in Bern.

Der Basler SP-Nationalrat und Swissaid-Präsident Rudolf Rechsteiner reichte im letzten Oktober eine Parlamentarische Initiative für ein fünfjähriges Moratorium für die Einfuhr von Agrotreibstoffen ein, die von 104 Nationalrätinnen und Nationalräten unterzeichnet wurde.

«Wir müssen in erneuerbare Energien investieren, Agrotreibstoffe schaffen nur neue Probleme», sagte Rechtsteiner. Es sei deshalb das beste, auf sie zuverzichten.

Jatropha statt Lebensmittel

Der indische Agronom Devinder Sharma lieferte ein eindrückliches Beispiel: Elf Millionen Hektaren Land sollen in Indien mit der Jatropha-Nuss zur Produktion von Agrodiesel bepflanzt werden - ein Fläche fast dreimal so gross wie die Schweiz.

«Und dies soll in einem Land geschehen, in dem trotz immensem Wirtschaftswachstum der Hunger noch längst nicht besiegt ist», meinte Sharma. Die Konflikte um Acker- und Weideland würden sich verschärfen und Millionen Menschen würden zur Migration in die Städte gezwungen.

Trotz Finanzkrise konnte Swissaid, die in neun Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens tätige Stiftung für Entwicklungszusammenarbeit, ihre Spendeneinnahmen 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent auf 13 Millionen Franken steigern.

In Krisenzeiten nehme die Solidarität mit den Ärmsten offenbar noch zu, das stimme optimistisch, meinte Morel. (sda)

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