UNO-Vollversammlung: Ahmadinedschad macht USA für 9/11 verantwortlich
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UNO-VollversammlungAhmadinedschad macht USA für 9/11 verantwortlich

Mit Verschwörungstheorien um den Anschlag vom 11. September hat der iranische Präsident für einen Eklat bei der UNO gesorgt. Zugleich pries er seine Toleranz.

Mahmud Ahmadinedschad bleibt seinem Konfrontationskurs treu. (Bild: CNN)

Mahmud Ahmadinedschad bleibt seinem Konfrontationskurs treu. (Bild: CNN)

Vertreter der USA und Westeuropas verliessen demonstrativ den Saal, als Mahmud Ahmadinedschad nahelegte, die USA selbst würden hinter den Angriffen auf das New Yorker World Trade Center und andere Ziele stecken, um Israel zu retten. Es gebe die Theorie, dass «einige Elemente in der US-Regierung den Angriff orchestriert haben, um die schrumpfende amerikanische Wirtschaft und ihren Griff auf den Nahen Osten ebenso zu retten wie das zionistische Regime», sagte Ahmadinedschad. «Die Mehrheit des Volkes in Amerika wie auch in anderen Ländern teilt diese Ansicht.»

Für Empörung sorgte auch, dass der iranische Präsident die etwa 3000 Toten der Terrorangriffe gegen «Hunderttausende Tote im Irak und in Afghanistan» aufrechnete. Er warf dem Westen «unglaubliche Verbrechen» vor. Über Jahrhunderte seien andere Länder besetzt, ihre eingeborenen Völker unterdrückt und ermordet und Millionen Menschen versklavt worden.

Respekt vor dem Koran – und der Bibel

«Weite Teile der Welt haben unter der westlichen Dominanz gelitten.» Zugleich pries er seine Toleranz. Er hielt einen Koran und eine Bibel hoch und sagte: «Ich habe vor beiden dieser heiligen Bücher Respekt.»

Ahmadinedschad verteidigte zugleich die umstrittenen Nuklearpläne seines Landes. «Atomenergie ist sauber und billig und fossilen Energieträgern weit überlegen. Aber die fünf ständigen Mitglieder im Weltsicherheitsrat wollen ein Monopol schaffen, um andere nicht an die Energiequelle zu lassen.

Und das, obwohl sie sogar über die Atombombe verfügen, die unmenschlichste aller Waffen.» Er wolle das Jahr 2011 zum Jahr der Abrüstung machen: «Atomenergie für alle, Atombomben für niemanden.»

Exil-Iraner protestieren in New York gegen Ahmadinedschad

Vor dem Sitz der Vereinten Nationen in New York haben Hunderte Menschen gegen die Teilnahme des iranischen Präsidenten an der Generaldebatte der UNO-Vollversammlung demonstriert. «Ahmadinedschad ist ein Terrorist», riefen die mit Plakaten und iranischen Fahnen ausgerüsteten Demonstranten am Donnerstag.

«Es ist Zeit für die internationale Gemeinschaft, aufzuhören, mit Ahmadinedschad Geschäfte zu machen», sagte Ali Safawi, Mitglied des Nationalen Widerstandsrats des Iran, in dem sich zahlreiche im Exil agierende iranische Oppositionsgruppen zusammengeschlossen haben. Das iranische Volk müsse «endlich den demokratischen Wandel» bekommen, den es verdiene.

Die Teilnehmer des Protests - die Organisatoren sprechen in einer am Donnerstag verbreiteten Mitteilung von bis zu 20 000 - forderten auch lautstark einen Machtwechsel im Iran. Sie skandierten für die Widerstandsrat-Vorsitzende Mariam Radschawi und hielten Portraits von ihr in die Höhe.

Gespielte Steinigungen

Um die Unterdrückung im Iran zu verdeutlichen, spielten einige der zumeist iranischstämmigen Demonstranten auf einem Podium Szenen einer Steinigung und einer Hinrichtung mit dem Strang nach. Die Todesstrafe ist im Iran weit verbreitet.

An den Protesten beteiligten sich auch Sympathisanten der oppositionellen Volksmudschahedin, die auch dem Widerstandsrat angehören und die auf der US-Liste der Terrororganisationen stehen.

Die Rede Ahmadinedschads in New York: (Bei Minute 3 verlassen die USA den Raum)

(sda/dapd)

Diplomat aus Nicaragua tot aufgefunden

Kurz vor seiner geplanten Teilnahme an der UN-Vollversammlung ist ein Diplomat aus Nicaragua in New York ermordet worden. Der 34-Jährige wurde von seinem Fahrer am Donnerstag tot in seiner Wohnung in der Bronx gefunden, wie die Polizei mitteilte. Ihm wurde den Angaben zufolge die Kehle durchgeschnitten. Die Wohnungstür sei angelehnt gewesen, als der Fahrer den Diplomaten abholen wollte. In der Nähe der Leiche sei ein Messer gefunden worden. Über ein mögliches Motiv war zunächst nichts bekannt. Der Diplomat arbeitete seit acht Jahren im Konsulat Nicaraguas in New York.

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