Rede in New York: Ahmadinedschad vor der Uno ungewohnt zahm
Aktualisiert

Rede in New YorkAhmadinedschad vor der Uno ungewohnt zahm

Der iranische Präsident gab dem Westen und Israel die Schuld für die Missstände der Welt - Hasstiraden blieben aber aus. Grossbritanniens Premier Cameron will eine «syrische Zukunft ohne Assad».

New York Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat vor der UNO-Vollversammlung den Westen und Israel für Missstände in der Welt verantwortlich gemacht. Allerdings kam es am Mittwoch in New York nicht zu dem von vielen erwarteten Eklat.

Denn Ahmadinedschad verzichtete auf antisemitische oder antiwestliche Ausfälle. Er warf Israel jedoch vor, sein Land zu bedrohen.

Der «islamische» Frühling weht in der Luft

«Die ständige Bedrohung unserer grossen Nation durch die unzivilisierten Zionisten (Israel) ist ein klares Beispiel dieser bitteren Realität.» Weiter beklagte Ahmadinedschad, dass Wettrüsten und die Einschüchterung durch Atomwaffen und Massenvernichtungswaffen vorherrschend seien. Er plädierte für eine neue, gerechte Weltordnung, in der alle gleichgestellt seien.

Ahmadinedschads Rede vor der UNO-Vollversammlung war moderater als seine Reden in den sieben Jahren zuvor. Dennoch waren die Delegationen der USA und Israels erst gar nicht im Plenarsaal erschienen. Die diplomatischen Vertreter der EU-Staaten blieben diesmal bis zuletzt auf ihren Plätzen. Die meisten Länder waren nur mit Vertretern unterhalb der Botschafterebene erschienen.

Tausende demonstrierten derweil nahe dem UN-Gebäude in New York gegen das Regime in Teheran. Unter anderem traten dabei auch der Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani, und der ehemalige republikanische Präsidentschaftsbewerber Newt Gingrich auf.

Israel hat im Atomstreit mit dem Iran mit einem Militärschlag gegen iranische Atomanlagen gedroht. Der Westen und Israel verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Programms Atomwaffen zu entwickeln. Die Führung in Teheran bestreitet das.

Am zweiten Tag der Generaldebatte gingen andere Redner auf den Syrien-Konflikt und die Palästinafrage ein.

Ägypten gegen Syrien-Intervention

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi sagte, dass die Palästinafrage und die Lösung des Konflikts in Syrien Vorrang in der Weltpolitik haben müssten. Den Syrien-Konflikt bezeichnete er dabei als «die Tragödie unserer Ära».

Mursi sprach sich gegen eine ausländische Intervention zur Beendigung der Kämpfe in Syrien aus. Er bevorzuge eine Verhandlungslösung in einem arabischen, internationalen und regionalen Rahmen.

Es gehe um eine Lösung, die die Einheit Syriens erhalte, alle Gruppen des syrischen Volkes ohne Diskriminierung einbeziehe und Syrien eine ausländische Militärintervention erspare. Er stellte sich damit gegen den Vorschlag des Emirs von Katar, der für ein Eingreifen der arabischen Staaten in Syrien plädiert hatte.

Mursi sprach sich auch für eine Stärkung der verbrieften Rechte der Palästinenser aus. Es sei «beschämend», dass die entsprechenden UNO-Resolutionen nicht umgesetzt worden seien. Zudem prangerte Mursi die israelische Politik an, weiter Siedlungen auf Land zu errichten, das die Palästinenser für ihren zukünftigen Staat beanspruchen.

Cameron: Wir haben zu lange Diktatoren toleriert

Grossbritanniens Premier David Cameron sagte: «Die Zukunft Syriens ist nur eine Zukunft ohne Assad (...) Wir haben zulange Diktatoren toleriert, weil wir sie für Garanten der Stabilität hielten. Aber Diktatoren schaffen keine Stabilität, sie gefährden sie.» Dagegen ging Ahmadinedschad nicht auf den Syrien-Konflikt ein. Der Iran ist einer der letzten Verbündeten des Assad-Regimes.

Am Donnerstag werden vor der UNO-Vollversammlung Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprechen.

(Video: ReutersUK) (sda)

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