Aktualisiert 23.06.2011 12:36

Nach der Freilassung«Ai Weiwei hat stark abgenommen»

Viel gesagt hat Ai Weiwei nicht, seit er in Freiheit ist. Er muss schweigen. Kurator Urs Stahel vom Fotomuseum Winterthur weiss: Der Künstler bekommt ein Jahr Hausarrest.

von
Felix Burch

Nur kurz trat der chinesische Künstler Ai Weiwei nach seiner überraschenden Freilassung am Donnerstagmorgen vor die Haustür seines Ateliers. Den wartenden Journalisten sagte er: «Ich darf nichts sagen, bitte verstehen Sie.» Es gehe im gut, er könne über seine Erfahrungen der vergangenen Wochen aber nicht sprechen; die Auflagen der Polizei würden es ihm verbieten. Danach verschwand Ai.

Das Fotomuseum Winterthur zeigt zurzeit die Ausstellung «Ai Weiwei- Interlacing». Vernissage war am 27. Mai, eigentlich hätte der Künstler persönlich anwesend sein sollen, weil er im Gefängnis sass, war dies jedoch nicht möglich. Urs Stahel, der Direktor des Fotomuseums und Kurator der Ai-Weiwei-Ausstellung, war stets in Verbindung mit Leuten von Ai Weiweis Galerie in Peking. Über die Meile-Galerie, die Kontakt zum Künstler und zu seiner Frau hat, erfuhr Stahel jetzt per SMS: «Ja, er ist zuhause, er hat stark abgenommen.» Und: «Laut meinen Informationen soll Ai Weiwei für ein Jahr unter Hausarrest gestellt werden», so Stahel zu 20 Minuten Online. Mittlerweile teilte das Aussenministerium in Peking mit, es werde weiter gegen Ai ermittelt und er dürfe daher Peking voraussichtlich ein Jahr lang nicht «ohne Erlaubnis» verlassen. Diese Bedingungen seien Bestandteil der Freilassung auf Kaution, so Ministeriumssprecher Hong Lei.

«Wir machen uns weiter grosse Sorgen»

Ai Weiwei wurde am Mittwochabend nach zweieinhalb Monaten aus der Haft entlassen. Der Aktionskünstler sei freigekommen, nachdem er ein Geständnis wegen Steuerhinterziehung abgelegt habe und weil er chronisch krank sei, meldete die chinesische Staatsagentur Xinhua.

Anfang April hatte die Polizei den international renommierten Künstler festgenommen, danach wurde er an einem unbekannten Ort festgehalten. Lange wussten weder Verwandte noch Anwälte, was der Grund für die Verhaftung war. Dann gaben die Behörden als Grund an, Ais Firma Fake Cultural Developement habe eine «riesige Summe» an Steuern hinterzogen.

Die Festnahme von Ai wurde international scharf kritisiert, überall auf der Welt protestierten Menschen für seine Freilassung. Eine entsprechende Petition unterzeichneten mehr als 100 000 Personen. Die jetzige Haft-Entlassung wird grundsätzlich begrüsst. Ais Berliner Verleger Wolfgang Hörner vom Galiani Verlag sagte jedoch gegenüber «Focus Online»: «Wir machen uns grosse Sorgen, dass ihm Wirtschaftsverbrechen vorgeworfen werden. Das ist oft ein Weg, Regimekritiker ins Gefängnis zu bringen oder sie zu ruinieren.»

Mit Material der Agenturen SDA und AP

China wird kritisiert

Das Goethe-Institut in Deutschland hat Chinas Vorgehen im Fall des Künstlers Ai Weiwei hart kritisiert. «Die Art und Weise, wie der Künstler verhaftet wurde und keine Informationen über seinen Aufenthaltsort und sein mögliches Vergehen über die lange Zeit gegeben wurden, war ein inakzeptables Vorgehen und entspricht auch nicht der chinesischen Rechtslage», sagte Präsident Klaus-Dieter Lehmann. Er hoffe sehr, dass es jetzt bald zu einer vollständigen Klärung komme.

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