Aibo R.I.P. 1999 - 2006
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Aibo R.I.P. 1999 - 2006

Der wedelnde Freund wird eingeschläfert: Sony lässt den treuen Elektrohund Aibo sterben – und stürzt dessen Anhänger in tiefe Trauer.

Die zahlreichen Fan-Websites zum Hightech-Hund Aibo haben die Neuigkeit mit Bedauern vermeldet: «Aibo R.I.P.» steht in schwarzem Rahmen über einem Foto von Aibo, und unter www.rettet-aibo.de versuchen Fans verzweifelt, das Leben des Sony-Hundes zu retten, der erst letztes Jahr noch in einer neuen Version lanciert wurde. Nun soll der Nachwuchs ausbleiben – weil das japanische Technologieunternehmen sparen muss.

Aibo erblickte 1999 das Licht der Welt. Kurz darauf avancierte der Elektrohund besonders in Japan zum Lieblingsgadget von so manchem Technikbegeisterten. Der 1,6 Kilo schwere Roboter besitzt Sensoren, mit deren Hilfe er sich orientiert, sowie eine Kamera, Stereomikrofone und Lautsprecher. Dank seiner WLAN-Fähigkeit kann Aibo auch MP3-Songs von einem Server oder Musik ab Internetradio wiedergeben. Zudem ist er ein kläffender Terminkalender und kann E-Mails vorlesen. Die neuste Aibo-Generation ERS-7M3 versteht tausend Wörter, und als besonderes Kunststückchen überträgt der aktuelle Wurf sogar selbständig Fotos in einen Weblog.

Das Tier, das alle paar Jahre wieder als Update-Version erschien, war den Tamagotchis schon von klein auf physisch und intellektuell um Längen voraus. Sein stolzer Preis von 3200 Franken hinderte ihn jedoch daran, sich in grossem Stil zu vermehren, so dass er stets eine Exklusivität blieb. Dennoch wurden weltweit 150 000 Stück verkauft. Dass der Roboterhund nun eingeschläfert wird, ist zwar für die Fans eine Tragödie, doch umsonst hat Aibo nicht gelebt: Die Forschungsergebnisse rund um Aibo brachten Erkenntnisse im Bereich der künstlichen Intelligenz, und auch in der Hunde-Verhaltensforschung kam er zum Einsatz: Um herauszufinden, ob richtige Hunde Aibo als Artgenossen akzeptieren, brachte man an der Universität Budapest echte Vierbeiner und die Technik-Spezies zusammen, damit sie sich gegenseitig beschnuppern können.

Die noch verbleibenden Roboterhunde müssen nach dem Auslaufen der Produktion nicht heruntergefahren werden: Der Sony-Service für die Aibos soll noch bis 2013 aufrechterhalten werden. Techno-Kynologen geben auf einschlägigen Internetseiten Tipps zu Aufzucht und Pflege von Aibo, verkaufen spezielle Hundespielzeuge, fachsimpeln über künstliche Intelligenz und zeigen ihre Homevideos mit Kunststückchen der Technik-Töle. Im Aibo-Lexikon findet man viel Wissenswertes, und im Aibo-Chat werden wöchentlich Diskussionen zum Thema abgehalten. Unter Aibohack.com finden sich sogar Tipps, um den eigenen Aibo zu modifizieren, und natürlich hat der prominente Hund auch seinen eigenen Blog.

Felix Raymann

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