Trendwende: Aids-Epidemie geht langsam zurück
Aktualisiert

TrendwendeAids-Epidemie geht langsam zurück

In den vergangenen zehn Jahren haben sich weltweit ein Fünftel weniger Menschen mit HIV angesteckt als im Jahrzehnt zuvor. Auch die Todesfälle haben abgenommen.

Die UNO sieht im Kampf gegen die Infektionskrankheit AIDS eine anhaltende Trendwende. Vor allem in den Ländern südlich der Sahara hätten sich in den letzten Jahren weniger Menschen mit dem tödlichen Virus infiziert, erklärte die UNO- Organisation UNAIDS.

Die Rückgänge der Neuinfektionen liessen sich jetzt schon in 33 Ländern feststellen, wo sie um rund ein Viertel gesunken seien. 22 dieser Länder befinden sich in Schwarzafrika. In Äthiopien, Nigeria, Südafrika, Sambia und Simbabwe gebe es Anzeichen von Stillstand oder Rückgängen bei den Neuinfektionen.

Seit 1999, als die Krankheit ihren Höhepunkt erreicht hatte, sei die Zahl der Neuinfektionen weltweit um 19 Prozent zurückgegangen, heisst es in dem am Dienstag in Genf vorgestellten Weltbericht zur Epidemie weiter.

Jährlich erkranken aber immer noch 2,6 Millionen Menschen an dem Virus. In sieben Ländern ist die Anzahl Neuinfektionen zudem um über 25 Prozent gestiegen. Fünf der sieben betroffenen Länder befinden sich in Osteuropa und Zentralasien.

Besseren Zugang zu Behandlungen

Die Anzahl der jährlichen Todesfälle ging innerhalb von fünf Jahren um 300 000 zurück. Im vergangenen Jahr seien 1,8 Millionen Menschen an dem Virus gestorben, 2004 waren es noch 2,1 Millionen.

Der Rückgang der Infektionen und der Todesfälle erklärt sich durch Behandlungs- und Präventionsmassnahmen. Von den etwa 15 Millionen HIV-Infizierten in einkommensschwachen Ländern, die eine AIDS-Behandlung benötigen, könne derzeit 5,2 Millionen geholfen werden. 2004 waren es erst 700 000.

2009 bekamen 1,2 Millionen Menschen eine Erstbehandlung gegen AIDS. Dies entspreche einem Anstieg um 30 Prozent in nur einem Jahr. Zehn Millionen Menschen brauchen derzeit aber noch dringend eine Behandlung, schreibt UNAIDS.

Bereits 60 Millionen Todesfälle

Der Rückgang an Todesfällen führt dazu, dass die Zahl der Menschen, die mit dem Virus leben, gestiegen ist: Von 26,2 Millionen im Jahr 1999 auf 33,3 Millionen im Jahr 2009.

Seit dem Ausbruch der Epidemie steckten sich mehr als 60 Millionen Menschen mit dem Virus an, fast 30 Millionen starben an Ursachen im Zusammenhang mit der Krankheit. (sda)

AIDS-Epidemie betrifft auch reiche Länder

Auch in den reichen Ländern ist die AIDS-Epidemie nicht vom Tisch: In Nordamerika und in Westeuropa steckten sich im vergangene Jahr 100'000 Menschen mit dem HI-Virus an, wie das AIDS- Programm der Vereinten Nationen UNAIDS am Dienstag in Genf erklärte. 2001 waren es 97'000.

2009 starben laut UNO in diesen Ländern 35'000 Menschen an der Immunschwächekrankheit, das sind nur 2000 weniger als acht Jahre zuvor. Die Zahl der Menschen, die mit dem tödlichen Virus leben, sei zwischen 2001 und 2009 um 30 Prozent auf 2,3 Millionen gestiegen.

Nordamerika zählt 1,5 Millionen Erkrankte, 2009 gab es 70'000 Neuinfektionen und 26'000 Menschen starben an dem HI-Virus. In West- und Zentraleuropa lebten im vergangenen Jahr 820'000 Infizierte, 31'000 Menschen steckten sich neu an und 8500 starben.

In der Schweiz wurden gemäss den Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) 642 Menschen positiv auf den Virus getestet. Ein Jahr zuvor belief sich die Zahl der Neuinfektionen auf 788.

Insbesondere unter den Homosexuellen sei die Epidemie wieder aufgeflammt, heisst es im AIDS-Weltbericht. Daten aus 23 europäischen Ländern zeigten, dass die Zahl der Infektionen unter homosexuellen Männern zwischen 2000 und 2006 um 86 Prozent gestiegen sei.

Die Geschlechter sind unterschiedlich von der Krankheit betroffen. Männer stecken sich öfters mit dem tödlichen Virus an als Frauen. Nur 26 Prozent der Erkrankten waren 2009 in Nordamerika weiblich, in Europa waren es 29 Prozent. (sda)

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